94 Briefe des Grafen Friedrich Leopold Stolbcrg an Johann Heinrich Voß,
Es ist von hoher Wichtigkeit, daß die nächsten Neichswahlcn sich nicht unter dem Vorherrschen dieser Entfremdung vollziehen. Der Sieg bei diesen Wahlen über eine Minderheit der gebildeten Kreise ist vollkommen möglich. Nicht darauf braucht die Sorge sich zu richten. Aber die Niederlage wäre ein Schaden für den Sieger, die Besiegten und die Nation. Es ist noch Zeit, zu verhüten, daß der Wahlkampf diese Signatur behalte. ^
Briefe des Grafen Friedrich Leopold Stolberg
an
Johann Heinrich voß aus den Iahren ^786 und ^787.
1.
Tremsbüttel d. 19t. Jan.*) 1786.
Herzlichen Dank für Ihren lieben Brief bester Vvß. Ich frene mich von Herzen daß Ihr Lieben uns beherbergen könnet, am Wollen, auch mit einiger Unbequemlichkeit, war ja bey Euch Herzensfreunden kein Zweifel.
Aber nicht morgen wie ich hofte, sondern erst Montag werden wir den Frieden Eurer Hütte theilen. Vorgestern Abend kam ich hier an. Es »vor der süsseste Angenbtick meines Lebens, n. es ist mir noch wie ein Traum daß ich wieder bey meiner Agnes bin.
--------Den edlen Mendelsson habe ich auf der Hinreise einmal
gesehen. Er starb eiuige Tage vor meiner Rükkehr nach Berlin. Sein Andenken ist dort überall geehrt, in der königl. Familie n. im leztcn Judenhause. Bou Jacobys Buch habe ich keine Idee. — — —
2.
Trciusbüttel d. 9ten Febr. 86. Ich glaubte uicht daß ich Ihnen noch näher kommen könnte, Freund meiner Seele, u. ich fühle doch daß ich Ihnen in den 14 Tagen die ich bey Ihnen lebte, nach näher gekommen bin. Sv viel haben wir uns aber auch nie gesehen. Ach wären wir doch nie gestört worden! Könnten wir dach immer zusammen leben! O des süssen Plans Landpriestcr zu werden, einer in Bvsau der andre gegenüber! Wie oft sollte der gemeinschaftliche Nachen hin u. her schwimmen!
Anfänglich schncl? Stolbcrg- Febr., doch besserte er gleich selbst, das Nichtige heriiber- schreibend.