Neues Nönchthum.
st die Welt wirklich sv schlecht, daß, wer den Verzicht auf ihre Gilter predigt und zur Flucht in die Studirstubc räth, sich für einen Freund der Welt ausgeben darf? Und ist der ein Menschenfreund, der auf alles, was das Leben der meisten thatsächlich erfüllt, mit Verachtung blickt, dagegen die nnr einer geringen Anzahl möglichen Bemühungen um Erkenntniß-Gewinnung als einzigen lohnenden Lebensinhalt anpreist?
Die Verleumdung der Welt, der gegenüber Entsagung das Beste sei, und die gleichzeitige Ucberschätznng der ewig mit sich selbst beschäftigten Meditation ist nicht neu und als eine Wiederbelebung indischer Selbsttänschung auch nicht interessant, aber neu ist, daß ein Vertreter dieses Standpunktes, ein Mann, der in die dein höchsten Alter allein zukommende „Herzensstille und wunschlvse Ruhe des Gemüths" die Glückseligkeit setzt und damit das eigentliche Dasein zwischen Gcbnrt und Tod vernrtheilt, für die Welt und für das Leben zu sprechen meint nnd nicht gewahr wird, daß er selbst jener Krankheit, jenem in System gebrachten Verfolgungswahnsinn, dem Pessimismus verfallen ist, den er zu bekämpfen trachtet. Der Pessimist, der als solcher auftritt, verdient nicht ohne weiteres Beachtung, aber derjenige Schriftsteller, der anscheinend die Pessimisten befehdet und doch, ohne es sich klar zu machen, zu ihnen gehört, ist eine interessante und — nicht ganz ungefährliche Erscheinung,
Ein Herr B. M, W, Koch ist mit einer im Jahre 1880 bei Mrvse erschienenen Schrift „Ueber die rechte Gestalt des individuellen Daseins, mit besonderer Bcrücksichtignug der Religion. Eine Welt- nnd menschenfreundliche Betrachtung" in die schwebenden Verhandlungen über das Für und Wider des Lebens und der Welt eingetreten. Da in dem literarischen Streite zwischen der vptimistischen Versöhnung mit dem Dasein und der pessimistischen Verwerfung desselben die Betheiligung eine ungleiche ist nnd die Lebensfeinde zahlreich find, sv würde nns ein neuer Bertheidiger des Lebens willkommen sein; aber den können wir nicht willkommen heißen, der zwar Miene macht, für uns zu kämpfen, in Wahrheit aber zu den Gegnern gehört.
Wer es unternimmt, die rechte Gestalt für das Dasein des einzelnen aufzuzeigen, der muß ein Vcwnßtsein haben von der Wichtigkeit nnd den Konsequenzen seines Thuns, Wenn er als normal und wünschenswert!) ein Dasein schildert, wie es thatsächlich für die meisten Menschen verläuft und für alle verlaufen