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Zur logischen Frage.
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Zur logischen Frage.

politischen Einheitsgedankens in beiden Gebieten ist jetzt die nächste weitere Auf­gabe. Die ganze deutsche Machtstellung nach außen aber ist identisch und un­trennbar verbunden mit dem Fortschritt und der weitern Ausbildung des geistigen Cultnrlebcns im Innern. Daß hierzu auch die Philosophie gehört, wird von niemand bestrittcn werden können. Das ideale Vildungs- und Erkcnntuißstreben in der Wissenschaft findet vorzugsweise durch die Philosophie seiue Vertretung. Was aus Kant sich weiter entwickelt hat, kann znletzt nicht eine bloße sich im Sande verlaufende Reihe von Erscheinungen gewesen sein. Es sind dieses alles auch große nationale Heroen und Lichtgestalten gewesen. Daß wir aber auch jetzt noch der Ideale im Leben und in der Wissenschaft bedürfen, ist ein ebenso wenig zu bestreikender Satz. Die Pflege und Ausbildung der Wissenschaft im höhern oder geistigen Sinne des Wortes ist überhaupt die hervorragendste Speeiälität und charakteristische Eigenthümlichkeit in unserm ganzen nationalen Culturleben gewesen. WaS die Wissenschaft jetzt aber ist, das ist sie wesentlich mit durch die ganzen Bestrebungen und Gedankenentwicklungen unsrer frühern Philosophie geworden. Die Philosophie im Sinne Hegels war insofern an sich bereits identisch mit der Idee oder dem Wesen der Wissenschaft überhaupt, als ihre Aufgabe nach ihm in einer umfassenden logischen Construction des ganzen Inhalts der Erscheinungen des Wirklichen bestand. Hegel wollte das Reale in seinem vollen Umfange begreifen, inwiefern es ein ideal geordnetes oder geistig vernünftiges war. Dieses ist zuletzt nichts andres als die Aufgabe und das Vestrebungsziel aller wahren und gedankenmäßigen Wissenschaft überhaupt. Es war dies also keineswegs eine bloße abstraete metaphysische Lehrformel, sondern ein ernster Versuch, die ganze Wissenschaft als eine geistige Einheit aufzufassen und zu gestalten. Die letzten Ziele aller Entwicklung der Philosophie in der Geschichte können nur identisch sein mit denjenigen der wahren und vvllkvmmneu geistigen Wissenschaft überhaupt. Die methodischen und metaphysischen Voraus­setzungen Hegels hierbei waren einseitige und beschränkte, aber seine Lehre be­zeichnete doch das endliche Ziel einer Vereinigung oder eines Zusammenfallens der Philosophie mit der wahren und geistigen Wissenschaft überhaupt.

Der Name der Philosophie vertritt jetzt bei uns einen Complex von Be­strebungen, die zum Theil nicht bloß dem Gebiete der Wissenschaft, sondern auch den? des weitern gebildeten oder geistreich populären Denkens der Nation an­gehören. Es hat sich sogar eine gewisse Reaetion gegen die frühere streng ge­schlossene und einseitig pedantische Schulphilosophie unter uns erhoben. Alles dies hat seiue bestimmte naturgemäße Begründung und Berechtigung gehabt. Die Nation hat ja auch immer einen Antheil und ein Interesse an der Philo­sophie, und nicht allein die strenge nnd schulmäßige Wissenschaft auf dein Ka-