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Aus der Vergangenheit Irlands. 1.
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diese Dinge, vereint mit der günstigen Gelegenheit, welche die Verwicklungen in England darboten, wirkten zusammen. Hinter dem Volke lagen die bis zum Wahnsinne stachelnden Erinnerungen an die teuflische Grausamkeit, mit welcher die Feldherren Elisabeths gegen die Iren Krieg geführt, vor ihm stand die ge­wisse Aussicht auf Vertreibung von dem Lande, das ihm noch geblieben, auf Vertilgung seiner Religion, die mehr und mehr die Leidenschaft wie der Trost ihres Lebens geworden, uud auf das Todesurtheil gegen jeden Priester, welcher an ihrem Sterbelager zu bete» wagte. Die königliche Autorität war offenbar ins Schwanken gerathen. Sir William Parsons, der energischste von den Lords der Statthalterschaft in Dublin, stand durchaus auf Seiten des Parlaments, er war einer der gewissenlosesten Wucherer mit Land, er wünschte geradezu eine Rebellion und reizte durch verschiedene verletzende Maßregeln dazn auf, um eine neue Ernte von Confiscationen einheimsen zu können. Schon für eine ganz nüchterne Ueberleguug waren diese Besorgnisse begründet, aber die Iren waren damals begreiflicherweise von ruhiger Erwägung weit entfernt. Die Luft war heiß und fieberschwanger und schwirrte von uuheimlichen Gerüchten. Mit jeder Woche wurde der Himmel dunkler, die Schatten heraufziehenden Unheils lager­ten sich auf die Phantasie des Volkes, uud seltsame Geschichten von übernatür­lichen Erscheinungen wurden willig geglaubt. Man erzählte, daß ein in Blut getauchtes Schwert in der Luft schwebend gesehen worden, und daß die Geister- gestält, die sich vor dem Aufstande Tyrvnes gezeigt, ihren mächtigen Speer über das fluchbeladene Land schwingend, wiederum einherschreite.

Die große irische Rebellivu brach in Ulster in der Nacht des 22. October 1641 aus. Wir verweiseu auf die ausführliche Schilderung derselben, die Lecky (S. 133 bis 184) giebt, und theilen nur die Grundzüge und einige charakteri­stische Einzelnheiten mit.

Anfangs blieb die katholische Gentry in den drei übrigen Provinzen des Königreichs, in Connaught, Munster und Leicester, loyal. Erst im December fiel alles botmäßige Land ab, indem die Statthalterschast dazu angereizt hatte, um so viel als möglich Gruudeigenthümer zu Aufrührern zu machen uud dann reichlich confiscieren zu können. Die Behauptungen, daß die Rebellen von Ulster mit einem Massenmorde der dortigen Protestanten ähnlich der sicilianischen Vesper und der Pariser Bluthochzeit ihr Werk begvnuen hätten, und daß im spätern Verlaufe der Dinge die empörten Iren häufig ungewöhnlich grausam gegen Gefangene und andere Gegner verfahren wären, sind unbegründet. Sie begingen zu Anfang nur wenige Mordthaten, ihr Führer Phelim O'Neil war eher ein schwacher als ein harter Charakter. Man vertrieb nur die englischen, nicht die schottischen Colonisten, wobei von den erstem allerdings viele der rauhen Witterung erlagen. Die Kapitulationen, mit denen sich verschiedene