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seine Landwirthschaft nur dazu benutzt, um diesen Einfluß zu mehren und gewinnreiche andere Geschäfte zu betreiben. Sobald es ihm gelingen sollte, jenen Strafen zu entgehen, so hindert ihn weder die Meinung der nächsten Umgebung noch die seiner Glaubensgenossen, an cmdern Orten, hier oder anderswo mit denselben Mitteln weiter zu arbeiten.
Wenn man die Reihe reicher oder wohlhabender Juden hier durchmustert, so entdeckt man, daß sie meist zwei Hauptquellen des Wohlergehens ihre Glücksgüter verdanken. Die eine ist das Gewerbe des sogenannten Kronslieferanten. Wie es bei solchen Liefernngen an Korn, Heu, Baumaterial u. dergl. für den Staat in Rußland ergeht, ist bekannt und sogar sprichwörtlich geworden; Kronslieferungen werden vielleicht bald synonym sein mit Unterschleif. Die andere Quelle ist der falsche Bankerott. Es giebt nicht viele reiche jüdische Kaufleute in Rußland, welche nicht wenigstens schon einmal bankerott waren. Der Bankerott ist ein beliebtes Erwerbsmittel, und der Wohlstand beginnt meist nach dem ersten Und wächst rasch bei jedem folgenden Bankerott. Diese beiden Erwerbsquellen gelten bei der Masse der Juden nicht für unehrenhaft, die öffentliche Meinung straft weder den falschen Bankervttierer noch den betrügerischen Lieferanten; vielmehr wächst ihr Credit und ihr Ansehe«. Daß Wucher auch in der schlimmsten Form keinen Anstoß in der öffentlichen Meinung der Juden erregt, ist bekannt und kann als eine dritte Hauptquelle des Reichthums angesehen werden. Andere vermögende Judeu haben Aecisesteuern unterschlage«, Schmuggel getriebeu, hoch versicherte Gebäude zu rechter Zeit heimlich angesteckt und niedergebrannt, genetzten Flachs nach Antwerpen gesandt, schlechtes Korn für gutes nach England verkauft und den guten Ruf dieses oder jenes Ostseehafens dabei untergraben. Der Prveentsatz der durch redliche Arbeit begründeten jüdischen Vermögens ist ein erschreckend geringer. Alle diese Dinge Werden nicht anders geregelt als durch das öffentliche Urtheil; wo sie nicht von der öffentlichen Meiuung als ehrlos gestraft werden, da bleiben sie straflos, und für den polnischen Juden giebt es keine andere öffentliche Meinung als diejenige seiner Stammesgenossen. Selbst da, wo diese Meinung etwa sich verletzt zeigen wollte oder wo die übrige Bevölkerung allznstark sich gegen die Verletzung ihrer Begriffe vou Ehrenhaftigkeit erhöbe, findet der Jude es immer leicht, durch Entfernung von dein Orte M) der Strafe zn entziehen.
Die Eisenbahnen haben den Juden in den Stand gesetzt, rasch das Gebiet seiner Thätigkeit zu wechseln. Für kein Volk ist die Erfindung der Eisenbahnen von solchem Werth gewesen, wie für dieses beweglichste aller Völker. Sie ist der Unstätigkeit der Juden so zu Statten gekommen, wie dem Vogel die Luft zu Statten kommt. Der Jude scheint vom Eisenbahnfahren zu leben. Nachts schläft er im