Beitrag 
Die türkisch-montenegrinische Frage
Seite
157
Einzelbild herunterladen
 

157

an diese Griechen, die nichts gethan und nichts geopfert haben, um eine so über­aus ansehnliche Erweiterung ihres Gebietes zu verdiene«? Wir meinen, die bloße Möglichkeit von Verwickelungen bei einem Vorgehen nach dem Gladstone- schen Plcme sollte von einer Zustimmung zu demselben absehen lassen.

Die Organe der jetzt in England herrschenden Partei sind anderer Ansicht. Sie meinen, was an der albanisch-montenegrinischen Grenze erreicht worden, danke Europa einzig der kühnen und festen Politik Gladstones, und sollten die übrigen Mächte von jetzt an zurückhaltender verfahren, so werde die Zaghaftig­keit Oesterreichs daran Schuld seiu. Leider besitze letzteres jetzt an Deutschland einen Bundesgenossen, indem Fürst Bismarck aus Opportunitätsrücksichten, die jeden Augenblick andern Auffassungen weichen könnten (???), seine Entschlossenheit der Aeugstlichkeit Haymerles zur Verfügung gestellt habe, und die Folge sei, daß auch Frankreich sich dieser Taktik angeschlossen habe. Möglicherweise würden diese drei Mächte nun Einwendungen gegen Gladstones Vorschlag einer Blockade Smyrnas erheben. Aber das werde, falls England sich entschlossen zeige, dann allein zu handeln, nicht lange dauern. Jene Mächte würden nur so lange Ein­spruch thun und sich der Betheiligung an dein Unternehmen enthalten, als Eng­land Neigung verrathe, auf ihre Genehmigung zu warten, sich ihm dagegen anschließen, wenn sie sich überzeugt hätten, daß es ihrer Mitwirkung entbehren könne und uöthigenfalls auf dieselbe verzichten werde.

Man darf annehmen, daß auch Gladstone selbst noch so denkt. Die über­wiegende Mehrheit der Engländer aber hat er dann nicht für sich, und ein Theil seiner Kollegen scheint nach dem, was von glaubwürdiger Seite berichtet wird, einem Weitergehen in dem bisherigen Sturmschritte auch nicht geneigt zu sein. Wir sind daher wohl nicht im Irrthum, wenn wir uns die weitere Entwickelung der türkischem Frage wie folgt vorstellen: Der Sultan hat Montenegro gegen­über dem von den Mächten geübten nnd bisher gerechtfertigen Drucke nachge­geben, infolge dessen keine Blockade Smyrnas, kein Embargo, sondern Heimkehr des europäischen Geschwaders aus den Gewässern Dalmatiens und Wiederauf­nahme der diplomatischen Verhandlungen mit billiger Berücksichtigung der schwie­rigen Lage des Sultans und seiner Minister.

politische Briefe.

1^8. Die Dombanfeier in Röln.

Welch ein Fest war das, welches Deutschland vor den allmählich stiller be­gangenen Gedenktagen der Leipziger Schlacht in diesem Jahre feierte! Denn Grenzbotm IV. 1380. 21