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Literatur.
Zieten, „das alte Husarengesicht". Von Ernst Graf znr Lippe- Weißenfeld. Mit Bild und Unterschrift, nebst Kcirtchen zum „Zietenritt" nm
20. Mai 1745. Berlin, Verlag „Militaria" (G. v. Glasenapp), 1880.
Die vorliegende Schrift ist durch ein Zietenjubilänm hervorgerufen worden. Am 8. October 1880 sind es 150 Jahre, daß der berühmte Reitergeneral Friedrichs des Großen als Lieutenant in das Husarencvrps eintrat. Der Verfasser giebt keine wirkliche Biographie, sondern beschränkt seine Aufgabe auf bestimmte Gesichtspunkte. In diesen Gedenkblättern, so sagt er selbst in der Einleitung, „sind aneinander gereiht Unbekanntes und Bekanntes, Neues und Altes, um zu erledigen die Fragen: Was steht thatsächlich fest für eine Zietenbiographie; welche Punkte bedürfen der Aenderung oder Betonung, Erläuterung und Erweiterung; was wird unmittelbar bleiben; was erweist sich als räthselhaft oder zweifelnswerth?" Daher steht weniger die Erzählung im Vordergrunde als die Kritik. Namentlich wendet sich der Verfasser gegen das Buch der Frau vou Blumenthal, einer Verwandten Zielens, deren „Lebensbeschreibung Haus Joachims von Zieten", zum ersten Male 1797 erschienen, eine Fülle von Anekdoten und unerwiesenen Geschichten enthielt. Dieses Blumen- thalsche Buch hat großen Einfluß auf alle folgenden Biographien gehabt. Ueberall finden wir eine Menge von Heldenthaten verzeichnet, ja es erscheint Zieten wohl auf Kosten seines großen Königs als der Schöpfer einer neuen Cavallerie und als der Mann, der seinem Kriegsherrn zur Zeit der fnrchtbarsten Gefahr Trost zuspricht. Im Gegensatz hierzu erzählt Graf zur Lippe kurz und bündig seines Helden Leben und Thaten, indem er jede Erzählung dabei auf ihre Wahrheit hiu prüft. Eine Reihe treffender Bemerkungen über den Zustand der preußischen Reiterei und die Veränderungen in derselben zur Zeit Friedrichs des Großen wie über Zielens Antheil daran werden nebenher gemacht, und einige für die Erkenntniß des Generals sehr wichtige Briefe zum ersten Male gedruckt.
In Folge seines vorwiegend kritischen Charakters macht das Buch leider den Eindruck des Zusammenhangslosen. Im Einzelnen ist die Darstellung frisch und originell, wenn sie auch zuweilen durch allznkühne Redewendungen und Bildungen Anlaß zu Ausstellungen giebt. Der Verfasser kennt nicht nur „Husarisch Gesinnte", er erblickt auch in Zieten den „altpreußischen Husarissimus". Sein Reitergeneral zeichnet sich aus im „reiterlichen Thatenkreis", commandiert sein „Reitvölkcheu", um die Pcmduren zu „besäbeln" und erobert sich ein „stolzes Uebermannsanrecht" und einen Stein im Brette „bei Rex". Dergleichen Ausdrücke erscheinen uns nicht nur sehr „husarisch", sondern sind uns auch zum Theil „funkhagelueu", wie der Herr Graf statt des uns geläufigeren „funkelnagelneu" sagt. Doch wollen wir mit dein Verfasser über solche Ausdrücke nicht rechten, zumal da wir ihm das Zeugniß ausstellen können, daß er nicht bloß „der Erneuerung des Zietenandenkens eine wahr- heitsuchende Aufmerksamkeit gewidmet", sondern auch einen werthvollen Beitrag zu einer zukünftigen Zietenbiographie geliefert hat, und so entgehen wir wohl der Aufgabe, die er nach einem Postscriptum und einer bibliognosischen Umschau dem Kritiker am Schlüsse zuruft:
Wer mit diesem nicht zufrieden, Mag sich selbst ein bcssres machen.
Mr die Redaction verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig. Verlag von F. L. Herbig in Leipzig. — Druck von Emil Herrmcmu in Leipzig.