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Gottfried Keller. 2.
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nende provinzielle Wendungen iil die Schriftsprache einzuführen und für moderne Dinge die Sprache des Tages iu Anspruch zn nehmen. In fester, kühner Weise bildet er sich für seine Eigenthümlichkeit die Sprache, und doch erscheint dieselbe weder gegensätzlich zur Sprache uuserer elassischen Poesie, noch entbehrt sie jener Gedrungenheit uud reizvolle» Mannigfaltigkeit, die den poetischen Stilisten vom lvddrigen Belletristen selbst da noch unterscheidet, wo der Leser stntzt uud zwei­felt. In dem RomanDer grüne Heinrich" ist Kellers Stil minder gereift und vollendet als in denLeuten von Seldwyla", es fehlt dort nicht an ein­zelnen Disparitäten des lebendig leidenschaftlichen Toues, des realistischen Aus­druckes und der doch erstrebten Plastik und Abrnndung. Im Novelleuehklus hingegen ist ein seltenes Gleichmaß erreicht, nnr einzelne Stellen gemahnen daran, daß gerade der wahrhafte Poet um den Ausdruck ringt. Die ganze Darstellungsweise Kellers, frei, naturwüchsig und unmittelbar wie sie ist, löst nicht den Zusammenhang mit der inneren Durchbildung uud der Anmnth des sprachlichen Vortrags, die in besseren Tagen unserer Literatur Gesetz war. Die Originalität uud Lebensfrische des Ausdrucks ist bis zu einer gelegentlichen burschikosen Wendung die Originalität und Frische des Lebensgehaltes, der poetischeil Natur Kellers, sie hat nicht nöthig mit aller Kunst und dem eigensten Wesen unserer Sprache zu brechen und an die Stelle des edlen Deutsch einen schauerlichen Feuilletonistenjargon zu setzen, der dann freilich auch originell heißt. Wenn einzelne Kritiker geltend gemacht haben, daß Keller mit der Aufnahme heimischer localer Worte uud Wortwendungen zu rücksichtslos verfahre, so ist damit an die Frage gerührt, wie weit sich die gesunde Aneignungsfähigkeit unserer Schriftsprache erstrecke. Wir glauben, daß dieselbe sehr weit, jedenfalls so weit reicht, daß der einem echten Leben entquollene, sinnvolle und schlagend bildliche Ausdruck, wie er sich in denLeuten von Seldwyla" findet, vollauf in ihr Raum hat.

Dr. Hasse und die Gymnasien.

Lin Beitrag zur Ucberbürd ungsfrage.

Seit Lorinser im Jahre 1836 in seinem AufsatzeZum Schutz der Ge­sundheit in den Schulen" (Med. Zeitung 1836. Neuer Abdruck 1861) auf die Mängel der Schule in physischer Beziehung hingewiesen, hat die neue Wissen­schaft der Schul-Hygiene viele um das Wohl der heranwachseuden Jugend ernst-