— 343 —
lichkeit. In Anspielung ans die von I. Grimm eingeführte Schreibweise der Suvstcmtivn mit kleinen Anfangsbuchstaben unterzeichnet er auch mit kleinen Anfangsbuchstaben seinen vollen Namen, dessen erste Buchstaben er auch öfter zn dem sehnsuchtsvollen Wnnsch verwendet: Komm Holdes Glück verjünge Mich. Seine Theilnahme für die gesammte Familie Grimm ist immer gleich liebevoll; unter seitenlangen Abhandlungen über alte Drucke uud unter gelehrten Zweifeln über Fischart gedenkt er herzlichst „der geliebten heiligen Drei", läßt die Jungen von Onkelswegen küssen und streicheln, schickt Marzipan und Chokolade, wüuscht für die Kinder seinen Christbaum auzüudeu zu tvnueu uud schließt eine» überaus gemüthvollen Brief an Frau Dvrethea Grimm: „Ich will Sie jetzt uicht mehr mit Worteu aufhalte«, aber jedes geschriebene ist kein Wort svnderu ein Pulsschlag des wärmsten Herzblutes."
Alle die mitgetheilten Briefe' sind ein Ehrengedächtniß für die zart besaiteten Seelen der drei edlen nud liebenswürdigen Briefsteller, ein werthvolles und erquickendes Geschenk für die vielen Verehrer der Begründer und Altmeister der deutschen Alterthumskunde. Wer das Glück und die Auszeichnung genvsfen, den drei Männern und ihrer Familie nahe getreten zn sein, wird durch vielfache Aeußerungen die Bilder froher Tage sich dankbaren Herzens erneueren.
Der zweite Theil des Buches veröffentlicht zum erstenmale höchst interessante Griefe über die Berufung der Brüder Grimm nach Berlin, ein Stück aus der Geschichte der geistigen Entwicklung Prenßens während der neuesten Zeit. Allgemein bekannt ist es ja, daß jene Berufung wesentlich der warmen und herzlichen Theilnahme, der unermüdlichen und energischen Verwendung der Frau Lettin« vou Armin zu verdanken ist, welche nach ihrer Aeußerung „für ihre Freunde eiu Schwert geglüht uud sich nicht gescheut hätte es mit ihrer eigenen Hcind zu schwinge»". Ihre unausgesetzte Betreibung der Angelegenheit der Gebrüder Grimm als „einer echt deutschen vaterländischen Angelegenheit" wird aber dem noch nicht eingeweihte» erst jetzt recht erkennbar durch den Abdruck Wer Correspondeuz mit dem damaligen Kronprinzen, dem späteren König Friedrich Wilhelm IV., welchen sie für die Berufung gewann. Die Briefe des fürstlichen Herru, vou welchem Wilhelm Grimm nach der ersten Audienz urtheilt: "Er hat etwas angenehmes, natürlich wohlwollendes und geistreiches in dem Ausdruck seines Gesichts und überhaupt iu seinem Wesen, uud ich glaube an seinen ^inen und besten Willen", sind so fein nnd geistvoll gedacht wie gefällig und galant in der Form. Der Kronprinz schreibt am 15. Mal 1849: „Ich habe ^it Jahren, an sogenannten „rechten Orten" wiederholt den Wunsch geäußert Ihre »reuude hier zu gewinnen und zwar durch deu (sonst!) immancableu Passe-par- 'vut, den der Jae'ob besitzt, die akademische Mitgliedschaft. Ich bin durchaus Mt gescheitert, nur hat man mich noch nicht landen lassen. Deshalb ist meine Hoffnung und ineiu Entschluß, immer wieder Versuche zu macheu, ungebrochen. ^>e Blicke, die Sie mir in Herz und Sinn der Beyden gegönnt haben, erwärmen mich wie der beste Trunk nn Rhein-Gan und steigern mein Verlangen, sie die unserm zu nennen, unsäglich." Als Friedrich Wilhelm IV. am 7. Juui 1840 die Regierung angetreten hatte, trug er die deutsche Schuld an die Brüder Grimm ab. 'Er berief sie durch deu Minister Eichhorn in eine unabhängige Stellung an die Akademie der Wissenschaften nach Berlin. In sorgenfreier Muße nuter Benutzung der sich darbietenden Hilfsmittel und Fördernisse sollten sie b?e große und schwierige Aufgabe löse», welche sie sich in der Ausarbeitung Anes vollständige» kritischen Wörterbuches der deutschen Sprache gestellt hatten, ^r Ruf wurde augenommen. Am 16. November 1840 schreibt Jacob an Frau