— 223 —
O würdige Weide einer großen Seele! O klarer, edler Geist! Mit Fug und Recht Mag voll Verehrung sich der Haufe neigen. Gewärtig der Orakel. Wer doch wäre So thöricht, daß er heimlich dich verspotte, Wenn, fußend auf so hehren Studien, Des eignen Landes Dummheit du verklagst. Zu heben suchst mit deinem Zauberglanz Die gotische Finsterniß, die lange Zeit Dem armen Volk das Aug' umwoben hielt?
Die Armseligkeit dieser modernen Männerwelt tritt besonders voll ins Licht durch den gelegentlichen Vergleich mit den rühmlichen Vorfahren. „O tapfrer Held" wird der Stutzer gepriesen, der in einer Wolke von Puder dasteht; „so ftcmd einst dein großer Ahn zwischen dem Rauch und Feuer des wüthenden Mars, als er die heimischen Laren vertheidigte und den trotzigen Feind in die Flucht schlug. Aber freilich kehrte er in wenig cmmnthigem Zustande heim, mit Blut und Schweiß bedeckt und mit wirrem Haar, während dn einen reizvollen Anblick darbieten wirst, wenn du nun hinausschreitest, um die Augen des theuren Vaterlandes zu beglückeu." Nachdem die Toilette bis aufs kleinste vollendet, giebt der Dichter seinem Zögling das Geleit mit den Worten:
Jetzt lebe wohl, Der Menschen Augenweide, deines Stammes Und deines Vaterlandes Ruhm und Hort! Dort harren in zwei Reihen deine Diener, Dich zu empfangen; hurtig läuft ciu andrer Voraus, der Welt zu künden, daß du nun Sie zn beglücken kommst; ein andrer hält dich Zaghaft am Arm, indeß du in die goldne Carosse steigst und schweigsam dich und ernst In eine Ecke streckst. Gieb Raum, o Volk, Und weiche vor dem Thron, auf welchem Platz Mein Herr genommen! Wehe dir, du Pack, Wenn deinetwegen er verlieren sollte Nur eine seiner kostbaren Minuten I Den Kutscher fürchte, welchen kein Gesetz, Noch Strick und Ruthe zähmt; die Räder fürchte, Die manches Mal schon deine Glieder ja Fort mit sich schleiften und, befleckt mit deinem Unreinen Blut, mit einem langen Streife» — Schmachvoller Anblick! — zeichneten den Boden.
Durch die Veröffentlichung dieses ersten Gesanges machte sich Parini nicht nur gefürchtet bei den mächtigen Familien, sondern eroberte sich zugleich in der literarischen Welt mit eiuem Schlage eine hervorragende Stellung. Außerdem