Beitrag 
Ein Nachspiel.
Seite
167
Einzelbild herunterladen
 

- 167

endlich einmal an den Nagel hinge, so wäre ihm, der Leipziger Universität und allen gebildeten musikalischen Kreisen Leipzigs geholfen.

Es thut uns aufrichtig leid, daß wir unsere Leser im Vorstehenden mit einer Angelegenheit von rein localem Interesse behelligt haben. Aber es war nicht zu vermeiden, und am Ende hat die Sache doch eine über das locale Interesse hinausgehende Bedeutung. Leipzig genießt mit Recht den alten Ruhm, die Musikstadt Deutschlands --«r ^o/^ zu sein. Nicht also, wie das Reiß- mannsche Pamphlet thörichter Weise sagt, die Leipziger Musikzustände zu heben, Wohl aber um dem schmachvollen, corrupten Treiben entgegenzutreten, welches nun schon seit Jahren in einein Theile der musikalischen Kritik Leipzigs sich breit macht, haben dieGrenzboten" ihre Stimme erhoben. Es war die höchste Zeit. Als die Kunde sich verbreitete, daß Herr Reißmann seine Uebersiedlung von Berlin nach Leipzig vorbereite, ging ein gelinder Schrecken durch die musi­kalischen Kreise Leipzigs. Was wird, so sagte man sich, unsere öffentliche Mei­nung in musikalischen Dingen sich erst bieten lassen müssen, wenn die Herren Paul und Reißmann mit vereinten Kräften das bisherige Partei- und Reclame- geschäft betreiben werden! Es wird eine gegenseitige Anloberei entstehen, die alles bisher in diesem Punkte geleistete übersteigen wird! An Elementen, die eine starke Neigung haben, dies saubere Dnett nach Befinden zu einem Terzett, Quartett oder Quiutett zu erweitern, fehlt es ohnehin in Leipzig nicht! So sagte man sich, und die gehegten Befürchtuugen erfüllten sich nur gar zu bald. Kaum war Herr Reißmann da, fo war auch schon die Sache im schönsten Zuge: Heute lobe ich dich, morgen du mich; heute preise ich dein neuestes Machwerk an, morgen du das meine; übermorgen loben wir gemeinschaftlich einen Dritten und suchen ihn für uns zn ködern. Diesem Treiben wenigstens einigermaßen Einhalt gethan zu haben, können sich dieGrenzboten" zum Verdienste anrech­nen. Wie lange es nachhalten wird? Wir Wissen's nicht, aber wir werden auf dem Posten bleiben.

Literatur.

Die Oster- und Passionsspiele. Literarhistorische Untersuchungen über den Ursprung und die Entwicklung derselben bis zum 17. Jahrhundert vornehmlich iu Deutschland nebst dein erstmaligen diplomatischen Abdruck des Künzelsauer Fron- leichnmusspieles. Von Gustav Milchsack. 1. Die lateinischen Osterfciern. Wolfen-

büttel, Zwißler, 1880. Zur guten Stunde, in der Zeit, da wieder durch die Obcrammergcmer Passions­spiele das Interesse des ganzen gebildeten Deutschlands auf die geistliche dramatische Dichtung gerichtet ist, erscheint die erste umfassende und gründliche, das gescnnmte vorhandene Material beherrschende Geschichte dieser Dichtuugeu. Das vorliegende