— 21 —
Meister!", das aus der Corona erscholl, verließ er den Saal. Seine Freunde verlangten von den Dienern die Sohlen und machten sich auf den Heimweg, indem den einzelnen Gruppen von Sclaven getragene Fackeln voranleuchteten; unterwegs wurden noch einige Festanordnnngen für den folgenden Tag besprochen — den 54. Geburtstag Epikurs.
Wir aber schauen baß verblüfft dem Meister und seinen Schülern nach. Wenn wir nicht wüßten, wie mangelhaft Epikurs Erziehung war, wenn wir nicht beherzigten, daß I^ö s/stnms o'vst irwi von Epikur so gut gilt wie von vielen anderen Erdensöhnen, so konnte» wir Epikurs ans Banausische grenzende« und nur entfernt mit Ronssean'schm Ideen auf eine Linie zu stellenden Bildungs- schauer nicht begreifen. Damit hängt aber auch die Saloppheit seines Stils znsammen, welche Cicero ihm wiederholt vorwirft und welche aus seinen Werken, soweit sie bei Diogenes Laertius und auf hermlanischen Papyrusrollen erhalten sind, mit Nichten wegzudisputiren ist; und wie sehr man cmch den gesunden Sinn loben mag, mit welchem Epikur die „zur Sophistik gewordene, mehr verwirrende als klärende" Dialektik, die Athletik der Gelehrten, verwarf, wie wohlthätig auch in seinen Schriften die sehr beschränkte Anwendung von Kunstansdrücken im Gegensatz zu stoischen Willeleien auffällt, so können wir uus doch - ganz abgesehen von seinen gesuchten, bisweilen etwas derben Metaphern und seiner „gespreizten, auf Stelzen gehenden" Redeweise überhaupt — des Ein- drucks einer nachlässigen Logik im Einzelnen nicht erwehren.
(Schluß folgt.)
Die Darstellungen der pieta in der italienischen Kunst.
von jDaul Schön feld.
Zn den charakteristischen Merkmalen, durch welche sich in der Kunstgeschichte die Perioden des Verfalls von den Zeiten des Emporstrebens und der Blüthe unterscheiden, ist auch die mehr und mehr in den Vordergrund tretende auf Neuheit gerichtete Tendenz der producirenden Kräfte zu zählen- Es wiederholt sich die Erfahrung, daß auch die höchsten geistigen Errungenschaften nur auf beschränkte Dauer einer Nation genügen, das auch sie bei veränderter Geistes- richtung nicht in ihrem Werthe, wohl aber in der allgemeinen Wertschätzung sinken und oft für lange Zeit, wenn nicht für immer, ihren Einfluß auf das nationale Geistesleben verlieren. Als die großen Göttergestalten des hellenischen