Beitrag 
Wilhelm Scherer's Deutsche Literaturgeschichte.
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Punkt möchten wir nicht mit Stillschweigen übergehen, Schon beim ersten Ueberlesen des vorliegenden Heftes konnten wir uns des Gefühles nicht er­wehren, als sei der Verfasser, vielleicht aus übertriebener Scheu vor allem rein lehrhaften, kahlen Aneinanderreihen von Thatsachen, zuweilen in eine zu sublime, gleichsam nur den Blüthenduft der Gedanken einfangende, nur die äußersten Spitzen der geistigen Bewegung treffende Darstellung verfallen. Im Zusammen­hang damit steht es, daß an einigen Stellen die den vorgetragenen Ansichten zu Grunde liegenden Thatsachen nur angedeutet werden. So sind denn mehr­fach, wie uns bereits praktische Erfahrung gelehrt hat, an die mitschaffende, ergänzende Phantasie des mit den vorgetragenen Dingen nicht fachmännisch ver­trauten Lesers zu hohe Anforderungen gestellt. Warum werden S. 10 nicht Beispiele für die verschiedenen Gruppen altgermanischer Namen gegeben, wäh­rend doch ein andermal (S. 17) eine Reihe zweigliedriger allitterirender For­meln, die dem modernen Sprachbewußtsein viel geläufiger sind, namentlich auf­geführt werden? Warum fehlt S. 21 jede Hindeutung auf die Thatsachen, welche das Urtheil von der Toleranz der Religionen im Zeitalter der Stauffer begründen? Wo wird Junker Satan (S. 64 unten) eine beliebte Figur?

Mit diesen kleinen Ausstellungen wollen wir um so weniger zurückhalten, als der angedeutete Mangel eine gewisse Gescchr für die Verbreitung des Buches mit sich führt. Und leicht wird ja durch ein paar bestimmtere, mehr pragma­tische Striche bei einer hoffentlich bald nothwendig werdenden neuen Auflage, auch dem Theile des Publikums genügt sein, welcher dieselben nicht gerne missen würde.

Wir sehen mit Spannung dem weiteren Erscheinen des Werkes entgegen, dessen Umfang auf etwa 40 Bogen (in acht Lieferungen s. 1 Mark) berechnet ist. Der mäßige Preis wird hoffentlich dazu beitragen, daß es bald in keiner gebildeten deutschen Familie mehr fehlen wird.

Breslau. Franz Lichtenstein.

Die griechisch-türkische Grenzfrage.

Seit etwa zehn Tagen erörtert die in Berlin zusammengetretene Botschafter- Conferenz die griechisch-türkische Grenzfrage. Von Euglnnd angeregt, von Deutsch­land zusammenberufen und geleitet, wird diese Versammlung keinerlei andere Frageu behandeln und nicht nach Stimmeneinheit, sondern mit Stimmenmehr-