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Der deutsche Palästina-Verein.
Der Dichter eines der ältesten deutschen Epen, der Pfaffe Lamprecht, hat in seinem „Alexanderliede" ein echtes Bild des deutschen Volksgemüthes gegeben. Wie der jugendliche makedonische Held, von unbezwinglichem Sehnen getrieben, immer weiter nach Osten wandert und dann im fernen Indien, am Ziele seiner Wanderung, von Sehnsucht nach seiner Mutter ergriffe» wird, so strebt auch das deutsche Herz ruhelos in die Ferne, in der Ferne aber schaut es, von Heimweh überwältigt, sehnsüchtig nach dem Vaterlande zurück und kennt keinen beglückenderen Gedanken als den der Rückkehr in die Heimat.
Dieses nie befriedigte Streben in die Ferne ist dem deutschen Volksgemüthe zu allen Zeiten eigen gewesen, mag man noch so weit und selbst bis in die Zeit unserer heidnischen Vorfahren zurückgehen. Seit aber die Deutschen mit jener kernigen Glaubensinnigkeit , die uns schon aus dem „Krist", dem „Helicmd" und anderen frommen Dichtungen des frühereil Mittelalters entgegenweht, das Christenthum ergriffen hatten und in der „Nachfolge des Herrn" ihre deutsche Treue zu bewähren suchten, war diese Sehnsucht nach der Ferne auf ein festes Ziel gerichtet: sie galt dem Lande, wo der Heiland einst wandelte und lehrte, und so mischte sich die deutsche Wanderlust mit der Sehnsucht nach den Stätten der heiligen Geschichte, die Freude an der fremdartigen und doch so anziehenden Natur des „Gelobten Landes" mit dein frommen Schauer religiöser Andacht.
So blieb es während des ganzen Mittelalters. Wenngleich auch das übrige Abendland Antheil nahm an den gewaltigen Unternehmungen der Kreuz- zttge, welche durch die zu fanatischer Begeisterung angefachte Sehnsucht nach dem Heiligen Lande ins Leben gerufen wurden, so hat doch in keinem Lande der erhebende Gedanke mitzukämpfen für die Wiedergewinnung jenes christlichen Kleinods die Geister so mächtig ergriffen wie in Deutschland, wo nicht die Lust nach Abenteuern und die Hoffnung auf Gewinn allein, sondern wahrer Glaube und frommer Eifer für die heilige Sache Ritter und Mannen trieb, den heimischen Heerd zu verlassen und nach dem fernen Lande zu ziehen, wo tausendfache Gefahren und übermenschliche Anstrengungen der Entbehrung und des Kampfes ihrer warteten.*) Gustav Freytag schildert in seinen „Brüdern
*) Von Interesse ist es zu sehen, wie langsam und allmählich sich das deutsche Volk für die Sache der Krcuzzüge begeisterte. Wenigstens wissen wir, daß sie über den ersten Krenz- zng ganz anders urtheilten, als über die späteren. Man sieht dies aus der Schilderung Grenzboten ll. 1380. 70