Beitrag 
Aus den ersten Regierungsjahren Friedrich Wilhelms II.
Seite
424
Einzelbild herunterladen
 

^24 -

vorhanden, aber sie konnten nicht zur Geltung kommen nnter der Herrschaft gewissen­loser Intriganten, kläglicher Mittelmäßigkeiten und eitler Genußmenschen. Immer mehr dehnten diese ihre Gewalt aus: bald fielen die letzten Männer, welche die würdigen Gehilfen uud Mitarbeiter des großen Friedrich gewesen waren." Mit diesen Worten schließt Philippson den ersten Band seinerGeschichte des Preußischen Staatswesens vom Tode Friedrichs des Großen bis zu den Freiheitskriegen".

Schon deshalb, weil es der erste Versuch ist, einen allzulange vernachlässigten Zeitraum von neuem zu durchforschen, verdient die vorliegende Arbeit Philippsons entschiedene Anerkennung. Sie verdient aber auch Lob als eine tüchtige uud fleißige Arbeit, die mit Hilfe eines reichen gedruckten Quellenmaterials und einer Fülle bisher unveröffentlichter Papiere des geheimen Staatsarchivs und des königlichen Hausarchivs nicht nur bisher Vermuthetes zur Gewißheit erhebt, sondern auch vielfach, wie namentlich bei den Beziehungen Friedrich Wilhelms zu den Rosen­kreuzern, Neues bringt. Dabei ist hervorzuheben, daß Philippson in seiner Forschung besonnen und unparteiisch verfährt, ohne doch seinen persönlichen Standpunkt, seine Anschauungen und Meinungen zu verleugnen. Alles in Allem, hat der Verfasser mit diesem ersten Bande seines Werkes einen höchst dcmkenswerthen Beitrag zur Preußischen Geschichte geliefert, so daß wir der Fortsetzung desselben mit Spannung entgegensehen.

Paul de Musset f.

Es ist keiner der glänzendsten Schriftsteller Frankreichs, aber einer der liebens­würdigsten, welchen der Tod am zweiten Pfingsttage dieses Jahres hingerafft hat. Paul de Muffet hat ein ziemlich hohes Alter erreicht, denn er war einige Wochen vor der Krönung Napoleons I. in Paris geboren (am 9. November 1804). Er gehört zu den fruchtbaren Schriftstellern. Am ausgezeichnetsten ist er im allge­meinen dort, wo er, Wie in den OrlAlnaux äu XVII. Sisels und in den k'swwes äe 1» RvAMvö historische Stoffe mit ebenso viel wissenschaftlicher Gründlichkeit als poetischer Darstellungskraft behandelt. Aber obwohl er in der Fähigkeit, eine breit angelegte Dichtung durchzuführen, und in der Sicherheit der Charakterzeichuung seinem berühmten Bruder weit überlegen ist, so ist er doch einerseits von Roman­schriftstellern und Novellisten wie Merimee, Souvestre, Balzac, Töpfer und andern in den Schatten gestellt worden und hat andererseits auch durch das überstrahlende Licht seines genialen Bruders, der als Lyriker die Herzen unmittelbarer ergreift, eine gewisse Verdunklung erleiden müssen. Dennoch verdient er es, nicht ungefeiert in das Schattenreich hinabzugehen; er ist vor vielen würdig, von der Nachwelt geliebt zu werden. Zeigt schon der Dichter derNächte", wie thöricht es ist, nur den