— 55 —
gäbe der rührigen österreichischen Handelskammern und Landwirthschafts-Gesell- schaften, welche die gesetzlichen Vertreter jener Interessenten sind, die von einer irrationellen Führung der Eisenbahnwege direet und empfindlich betroffen werden, einzugreifen. An diesen Korporationen ist es, sowohl bei der Regierung, bei der sie voraussichtlich ein bereitwilliges Entgegenkommen finden werden, als auch bei der Reichsvertretung dahin zu wirken, daß die Fehler unseres systemlos angelegten Eisenbahnnetzes beim Ausbaue der Bahnen minderer Ordnung noch nach Möglichkeit verbessert, daß sür die Trace dieser Bahnen ein Plan festgesetzt werde, indem unter Hinblick auf die mögliche Gestaltung des zukünftigen Verkehres nicht nur die Richtung, fondern auch die Zeit, zu welcher einzelne Linien je nach ihrer Wichtigkeit und die Dringlichkeit zu bauen find, bestimmt ist; kurz, hinzuwirken auf die Festsetzung eines durchdachten, sowohl die großen Verkehrs- Jnteressen des Reiches als auch die allseitigen Interessen der verschiedenen Kronländer möglichst berücksichtigenden Planes, hinzuarbeiten auf eine systematisch geordnete Inangriffnahme und Durchführung des Ausbaues richtig gewählter Bahnlinien minderer Ordnung." Diese Anregung fand keinen Anklang —das Mcmuseript ruht noch hente im Redactionspulte.... ^sino xroxlista in Mrla.
Seitdem hat die Volksvertretung die Localbahn-Vorlage des Handelsministers angenommen, ohne daß ans die vorerwähnten Bedenken, denen der Abgeordnete Dr. Sax in beredter und von der wissenschaftlichen Ueberzeugungstreue des Redners zeugenden Weise Ausdruck gab, Rücksicht genommen worden wäre. Voraussichtlich werden also in Oesterreich bei der Anlage und dem Ausbaue der Eisenbcchum minderer Ordnung dieselben Fehler begangen werden wie bei der Netzesgestaltung der Hauptbahnen, uud dem Eisenbahnföderalismus, für den der bekannte Czechenftthrer Rieger im Abgeordnetenhanse so warm eintrat, wird Thür und Thor geöffnet bleiben. Viäsimt eonsulss!
Czernowitz, im Mürz 1880. Max Hoenig.
Beiträge zur Beurtheilung der Judenfrage.
6. Die polnischen Juden.
In den vorhergehenden Artikeln sind wiederholt starke Zweifel daran ausgesprochen worden, daß die Emancipation die Juden nach ihrem innersten Wesen ändern und den Deutschen sittlich vollkommen gleichstellen könne, und es wird dies, soweit es sich nicht schon aus dem bisher Gesagten ergiebt, und soweit die Ver-