Beitrag 
Beiträge zur Beurtheilung der Judenfrage.
Seite
305
Einzelbild herunterladen
 

Beiträge zur Beurtheilung der Iudenfrage.

Mit dem folgenden Artikel beginnen wir eine Serie von Aufsätzen, welche bestimmt sind, über die Hauptpunkte einer Frage, die Viele schon seit geraumer Zeit im Stillen beschäftigt hat, im letzten Jahre aber an die Öffentlichkeit ge­treten und allmählich in allen Schichten des Volkes Gegenstand lebhafter Er­örterung geworden ist, durch Herbeischaffung von Material das noch wttnschens- werthe Licht zu verbreiten. Wir werden dabei von keiner vorgefaßten Meinung ausgehen und uns von keinem Gefühle, wie berechtigt es auch scheinen mag, beeinflussen, andrerseits uns aber auch nicht von Modephrasen abschrecken lassen, zn sagen, was wir nach Prüfung der Sache für wahr und wünschenswert!) halten. Einzig und allein die Entwicklung der Dinge und die durch sie herbei­geführten gegenwärtigen Zustände sollen uns zeigen, was von dem Object unsrer Frage, dem Judenthume, zu halten ist, und ob und wieweit die über das­selbe laut gewordenen Klagen begründet sind. Vielleicht wird sich daraus schließ­lich für den Fall, daß letzteres zu bejahen, auch die eine und die andere An­deutung ergeben, wie dem Uebel abgeholfen werden könnte. Die Thatsachen also, die Ethnographie, die Culturgeschichte, die Statistik sollen sprechen. Wir haben diesen Vorbemerkungen nur noch die eine hinzuzufügen, daß wir das Judenthum nicht als Religionsgenossenschaft, sondern als Rasse zn behandeln gedenken, und daß wir von vornherein zugeben, daß Ausnahmen von der Regel, die wir finden werden, vorkommen können.

Der nächste Punkt, den wir ins Auge zu fassen haben, scheint uns der zu sein, welcher uns über die Verbreitung des Judenvolkes in der Gegenwart, über die letzten Wanderungen und Ansammlungen desselben und iiber die Stellen, die als seine heutigen oder zukünftigen Centren anzusehen sind, Aufklärung verspricht. Wir betrachten daher:

1. Die Vertheilung der Judencolonien über die Erde. Die Zerstreuung der jüdischen Nation schreibt sich nicht erst von dem Falle Jerusalems unter Titus und noch weniger erst von der Unterdrückung des letzten Grmzbotcn I. 1880. 39