Beitrag 
Die Funde von Pergamon im Berliner Museum.
Seite
454
Einzelbild herunterladen
 

454 -

Me Zsunde von pergamon im Jerliner Klusemn.

Die Kunde von den großartigen Entdeckungen auf der Akropolis des alten Pergamon ist mit Blitzesschnelle dnrch die gebildete Welt geeilt: im deutschen Vatcrlande überall mit Jnbel begrüßt, mit Enthusiasmus weitergetragen, im Auslande mit demselben verbissenen Groll aufgenommen, der seit einem Jahr­zehnt alle glücklichen Unternehmungen Deutschlands nnd Prcnßens begleitet. England zumal, das sich seit einem Jahrhundert als den unumschränkten Herrn des Orients wähnt, als den privilegirten Schatzgräber ans den Nuinenstätten der alten Kultur, hat bei dieser Kunde seinen Ingrimm und seine Scheelsucht nicht verbergen können. Was England seit dreißig Jahren in Kleinasien zu­sammengeraubt oder durch große Opfer erworben, wird mit einem Male durch die deutschen Entdeckungen in Pergamon in den Schatten gestellt. Noch mehr, die edelsteu Schätze des britischen Museums, die von Lvrd Elgin geraubten Bildwerke des Partheuvu, haben in den pergamenischen Skulpturen Rivalen erhalten, die jene um das Renommee alleiniger Priorität zu bringen drohen. Die Skulpturen von Pergamon sind ebenso grandios, ebenso einzig in ihrer Art wie die LIAn wÄrdlss.

Der Verdruß, daß England mühelos und ohne Opfer an Blnt und anderen edlen Güteru Schätze und Länder einheimst, ist allgemach in unserem Volke großer und größer geworden. Gleichmäßig beherrscht diese Stimmung alle Kreise, uud darum kann es Niemanden Wunder nehmen, daß sich in den vollen Aeeord des Jnbels auch eiu Ton der Schadenfreude mischt, daß England zu­sehen mußte, wie deutsche Männer unter dem Schutze legal erworbener Rechte unerhörte Schätze dem klassischen Boden enthoben, daß ein Engländer es war, welcher zuerst der gebildeten Welt die Kunde von dem friedlichen Siege Deutsch­lands bei Pergamon bringen mußte. Wir haben den Spott des Auslands über den deutschen Idealismus, über uusere Uneigennützigkeit bei den Ausgra­bungen in Olympia geduldig ertragen müssen, weil er nur zu sehr gerecht­fertigt war. Jetzt hat derehrliche Makler" gleichsam seine Provision erhalten, nnd Hohn und Spott sind verstummt. Vielleicht hat gerade die uneigennützige Haltung Deutschlands in der Orientpolitik dazu beigetrcigeu, daß es dem Ge­schick unseres diplomatische» Vertreters in Konstantinopel, des Grafen Hatz- feldt, am Ende gelungen ist, alle Schwierigkeiten zu überwinden und den Ferman des Snltcms zu erwirken, der uns die Ausfuhr dieser kostbaren Schätze gestattete.