Beitrag 
Eine Geschichte der Pariser Kommune von 1871.
Seite
402
Einzelbild herunterladen
 

402 -

sie gewährt ein recht anschauliches Bild französischer Sitte. Hier sehen wir die Pariser Arbeiter, welche sonst den Anspruch erheben, Frankreich zu be­herrschen und sogar die ganze Welt zu verjüngen und umzuwandeln, als prah­lerische Trunkenbolde, der geschlechtlichen Ausschweifung ergeben, eine unwissende, leichtgläubige, wetterwendische Masse, die sich heute für den ewigen Frieden und morgen schon um der dreißig Kupferlinge willen für das Gegentheil ver­wenden läßt, indem sie erst gegen den Krieg, dann gegen den äußeren Feind und zuletzt gegen ihre eigenen Landsleute, bald für, bald gegen ihr Vaterland auftritt."

Me neuesten Ausgrabungen aus Zypern*)

Wie das leichte Boot jede Bewegung des voraneilenden Schiffes mitmacht, in dessen Kielwasser es schwimmt, so sind die Geschicke Cyperns von jeher an die der leitenden Seemächte gekettet gewesen: wer die Herrschaft über das Mittelmeer errungen, dem fiel der Besitz dieser schönen Insel gleichsam von selbst zu. Zu den Zeiten, als noch der venezianische Doge alljährlich auf dem Bucentoro in prächtigem Zuge hinausfuhr, um durch den Ring, den er in die Fluthen versenkte, seine Republik dem Meere zu vermählen, gehorchte Cypern dem Löwen von S. Mareo. Als später die Küsten des Mittelmeeres vor den Flotten der Ungläubigen zitterten, ward die Insel türkisch. Jetzt hat England Cypern besetzt zum Zeichen, daß es seine Meeresherrschaft auch über das Mittelmeer auszudehnen Willens ist, um, gestützt auf Gibraltar, Malta, Suez und Cypern, auch den neuen Seeweg nach Indien zu beherrschen. Die Besitz­ergreifung rief deshalb fast bei allen Mittelmeervölkern, besonders aber bei den Italienern, eine tiefgehende Entrüstung hervor, weil allzudeutlich an den Tag kam, daß sie nicht mehr Herren sind im eigenen Hause.

Schon im Alterthume war das Schicksal der Insel ein ähnliches wie heut­zutage. Cypern war ein Zankapfel zwischen den großen Monarchien Asiens, Phönicien und Aegypten. Die Aegypter sind zwar niemals ein eigentliches Seevolk gewesen; aber da das Meer die Völker nicht trennt, sondern vielmehr verbindet, und da ein thatkräftiger Nebenbuhler noch fehlte, so reichten die

Cypern, seine alten Städte, Gräber und Tempel. Bericht über 10jährige For­schungen und Ausgrabungen auf der Insel von Louis Palma di Cesuola. Autorisirte deutsche Uebersetzung von L, Stern mit einleitendem Vorwort von G- Ebers. Mit mehr als 600 in den Text und auf 96 Tafeln gedruckten Holzschnitt-Illustrationen, 12 litho- graphirteu Schrifttafcln und 2 Karten. Jena, Costenoble, 1879.