— 384 —
Streit kommt mir vor wie die Anetoote, wo der Eckensteher erzählt: Gestern Abend sind wir bei Renneliovm. Da kommt Lehmann und schimpft mir Fcinchon. Ich steche ihm Eine. Lehmann ist aber nicht faul und sticht mir wieder Eine. Wie wir nun im besten Stechen sind, kommt Renneboom, sticht uns alle beide Eine und schmeißt uns 'raus. Sie seheu, lieber Freund, Ihr Kaiser ist ans dem besten Wege, ein europäischer Rennebvom zu werden. Er sticht uns beiden Eine. Rausschmeißen aber lassen wir uns von ihm doch nicht/ Ich hatte mir nicht träumen lassen, daß dieser Scherz unter Freunden dem Kaiser zur Kenntniß kommen würde. Meine Briefe scheinen aber nun einmal das Loos gehabt zu haben, in seine Hände zu gelangen. Als ich an den etwas indiskreten Frennd schrieb, und ihm die Aeußerung des Kaisers mittheilte, erfuhr ich denn auch, daß sie sich wirklich auf jenes Scherzwort bezog. Am sonderbarsten aber war wohl, daß der Kaiser mir dies in Olmütz, drei Jahre nach der Konferenz sagte, die hier jener quizrsllö allsMMäs ein Ende gemacht hatte."
Die Zeiten verändern sich, und wir verändern uns mit ihnen. Eine sehr charakteristische Anekdote. Aber tkurxi xasLati! Schneider schrieb dies im Juni 1864. Nach 1866 wird er sehr anders gedacht und gefühlt haben. Und jetzt würde er sich über eine Einmischung Rußlands in unsere Angelegenheiten nicht freuen. Glücklicherweise wäre sie auch unmöglich.
Literatur.
Oesterreich seit der Katastrophe Hohenwart-Beust. Bon Walter Nogge. 2 Bände. Leipzig und Wien, F. A. Brockhaus, 187ö.
Eine alles Wissenswerthe umfassende Geschichte des im Tirel genannten Zeitraumes läßt sich, was auch der Verfasser sagen möge, selbstverständlich jetzt und auch in den nächsten Jahren nicht schreiben, weil die Diplomatie, deren Arbeiten die Vorgänge gestalten halfen, hinter einem Vorhange thätig ist, welchen die Gegenwart nur zu einem kleinen Theile zu lüften vermag. Noch größer wird die Schwierigkeit, wenn ein Parteimann sich zum Geschichtschreiben anschickt; denn dies erfordert objektive, also unparteiische Auffassung der Verhältnisse, Ereignisse und Persönlichkeiten, die in Betracht kommen. Nun ist aber der Verfasser unseres Buches ein Parteimann von sehr ausgeprägter Art, und so ergibt sich das Urtheil über sein Unternehmen von selbst. Seine Kritik der Politik Andrassys ist völlig werthlos, weil mit Unkenntniß in Betreff der Hauptfragen unternommen, und die witzelnden Ausfälle gegen den Fürsten Bismarck, denen wir in seiner Darstellung gelegentlich begegnen, können nur das Lächeln hervorrufen, das Unwissenheit mir Dreistigkeit gepaart zu erwecken pflegt. Meist gut ist die chronikartige Uebersicht über die parlamentarischen Vorgänge und andere leicht zu erkennende Ereignisse der Periode, in welcher in den durch die habsburgisch-lothringensche Dynastie verbundenen beiden Reichen der Föderalismus besiegt und der Kampf um den Ausgleich unter Umgestaltung des Dualismus ausgefochten wurde, und in dieser Beziehung läßt sich das Buch empfehlen, obschon es auch in diesen Partien mit Vorsicht zu lesen sein wird.