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was unsere Novellistik hervorgebracht hat, im „Novellenschatz" vereinigten, haben sie mit Recht ausgezeichnet. Der erste glückliche Wurf liegt in der Wahl der Situation. Nicht nur müssen Mozarts Wirthe die ihnen unverhofft gegönnten Stunden mit ihm auskaufen, sondern auch er hat, wie die Dinge liegen, allen Grund, sich ganz und rückhaltlos zu geben, alle die „hundert goldenen Röhren" seines Weseus und seiner Kunst springen zu lassen. So glücklich der Dichter aber den Stoff zu konzentriren wußte, eben so glücklich hat er ihn zu erweitern und zu vertiefen verstanden: durch das Vorspiel im Reisewagen, durch das Nachspiel im Schloß, durch die Episoden. Diese ergeben sich hier aufs ungezwungenste aus der Situation, haben einen unmittelbaren Bezug auf die Handlung, stehen aber überdies auch durch zartere Fäden mit dem Thema oder doch mit der geistigen Atmosphäre der Novelle in Zusammenhang. Ueberhaupt ist die Komposition vortrefflich. Von dem harmlosen Reisegeplauder, von jener kritischen Situation des Helden in der „Laube des Tiberius" bis hinauf zu dem Moment, wo wir ihn als Träger der höchsten musikalischen Offenbarung auf dem Gipfel und zugleich am Absturz menschlichen Geschicks — das Grab vor Augen — erblicken, welcher Wechsel von Situationen und Stimmungen, und in diesem Wechsel welche Steigerung! Wir empfangen in der That den Eindruck des ganzen Mozart, des jovialen, liebenswürdig unbefangenen, lebensprühenden und in der eignen Flamme sich verzehrenden Künstlers, im engen Rahmen den Gehalt eines ganzen Lebens. Aber auch die übrigen Charaktere wie trefflich gezeichnet, Madame Mozart vor Allen, und wie wirksam als Ensemble! Wie versteht der Dichter sich in die graziöse Geselligkeit, in die heitere Lebensauffassung der Rokokozeit zu versetzen, uns das frischeste, lachendste Leben — „sprützend von Fröhlichkeit über und über" — zu zeigen und in dieses sonnige Bild hinein die Ahnung von Mozarts frühem Tod fallen zu lassen. Und wie hat er diesen ganzen zauberhaften Kontrast noch einmal konzentrirt in dem ergreifenden Liede „Denk' es, o Seele": Das frische Grün der Weide, die muntern Rößlein vorn im hellen Sonnenlicht, und im Hintergrunde zieht es schon herauf wie eine schwarze Wetterwand. Die liebevolle Ausbildung des Stoffes bis ins kleinste Detail, die Sprache, die wie ein durchgespieltes Instrument willig jeden Ton, jede Nüance hergibt, Alles trägt den Stempel des Meisters.
Ein Dichter, dessen Schwäche in der Komposition, dessen Stärke im Detail liegt, wird am zugänglichsten in seinen Gedichten sein. In seinen Gedichten vor allem haben wir Mörike zu suchen. Sie sind keineswegs ein lyrisches Musterbuch, diese Gedichte, aber sie verdienen in der Muth unserer Lyrik unter den ersten genannt zu werden. Ueber einen Zeitraum von 44 Jahren (1822 bis 1866) sich erstreckend, spiegeln sie die ganze Entwickelung des Dichters.