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der letzten Jahrzehnte auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens muß in unsere staatlichen, kirchlichen und gemeindlichen Zustände etwas mehr Stetigkeit kommen, wenn sich nicht die edelsten Kräfte und Elemente im Wesen unseres Volkes aufreiben und verzehren sollen in dem Kampfe der in das Volk künstlich hineingetragenen Gegensätze. Nach fo viel Kampf bedürfen wir der Ruhe, nach so eiligem Schaffen größerer Bedächtigkeit bei der politischen Arbeit. Karlsruhe, 22. Juli.
Lin deutscher ßeremonienmeister am päpstlichen Kofe.
Santa Maria del Popolo gehört zu denjenigen Gotteshäusern Rom's, deren räumliche Ausdehnung nicht in richtigem Verhältniß steht zu der Menge und Bedeutung der künstlerischen Schätze, die sie bergen. Raffael's Jonas, jene köstliche marmorne Verkörperung der wiedererlangten Freiheit, eine Jugendarbeit des Urbinaten, die er für die Kapelle des reichen Bankiers Agostino Chigi schuf, ferner die Kapelle der Familie Rovere mit ihren werthvvllen Sarkophagen und dem kräftig naiven Schmuck ihrer Luuetteu von der Hand des Pinturicchio, der Altar, den Alexander VI. errichten ließ, eine der reifsten Schöpfungen aus der Blüthezeit der Renaissance, die prächtigen Glasmalereien des Claude und des Guillaume Marcillat — wie lebhaft tritt uns in allen diesen Werken in künstlerischer wie in historischer Beziehung jenes Zeitalter einer großen Kulturumwälzung entgegen! Vor Allem aber wird die Kunst der Renaissance glänzend repräsentirt, wird die historische Erinnerung auf's lebhafteste geweckt durch jenes imposante Grabdenkmal mit den lieblichen Gebilden seiner Engel und Madonnenreliefs, mit der ergreifenden Wahrheit seiner allegorischen Figuren, welches im Chöre der Kirche sich erhebt. Andrea Sansovino, der Raffael der Plastik, wie man ihn wohl genannt hat, ist der Schöpfer desselben, und der, dessen Gebeine es birgt, war ein echter und umfassender Repräsentant seines Zeitalters, ein in politischen Ränken ebenso geübter, wie sür die Aufnahme alles Schönen und Künstlerischen empfänglicher Geist: Ascanio Sforza, der Bruder des Herzogs von Mailand, Lodovico Moro. Nach einem vielbewegten Leben fand er am 28. Mai 1505, nachdem Pest oder Gift ihn weggerafft, in der Kirche der Augustiner seine Ruhestätte. „Am Freitag den 23. Mai fand ein geheimes Konsistorium statt, welchem Kardinal Ascanio beiwohnte. Gesund ging er nach dem Essen auf die Jagd. Nach der Rückkehr