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Das Veto des Präsidenten Hayes.
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entschlossen den Handschuh aufnahm, der ihm von den Repräsentanten der früheren Rebellenstaaten und deren Bundesgenossen in verblendetem Uebermuthe vor die Füße geworfen wurde. Hayes ist kein Säbelraßler, er hat gewiß nicht das Zeug zu einem Diktator, er ist ein einfacher Mann des Volkes, für dessen Wohl sein Herz schlägt, und dem sein Streben gilt. Wie er im Sezessions­kriege als General in verschiedenen Schlachten den Rebellen gegenüber seine Pflicht that, so tritt er jetzt muthvoll den revolutionären Umtrieben der im Kongreß sitzenden Ex-Rebellen und ihrer demokratischen Gesinnungsgenossen entgegen. Er wünscht ebenso wenig, wie irgend ein anderer Patriot, die Republik der Vereinigten Staaten zu schädigen, indem er die nationalen Wahlen durch die Bayonette von Bundessoldaten entscheiden läßt; aber er will auch in keiner Weise, so weit seine Macht reicht, es zulassen, daß in den Südstaaten bewaffnete Banden im Interesse der demokratischen Partei die Gegner von der Wahlurne wegtreiben und das freie Stimmrecht mit Füßen treten. Er hat, als er das Präsidentenamt übernahm, geschworen, die« Verfassung und die Gesetze der Vereinigten Staaten zu bewahren, zu beschützen und zu vertheidigen, und diesen Schwur will er halten, allen demokratischen Intriguen zum Trotz. Er weiß, welche Zwecke die Demokraten verfolgen. Er weiß, daß sie mit Absicht und Vorbedacht die Extra-Sitzung des Kongresses erzwängen, weil sie in dieser in beiden Zweigen der Bundeslegislatur die Mehrheit haben und diese nur durch Betrug und Gewaltthaten an der Wahlurne gewonnene Mehrheit dazu benutzen wollen, die Herrschaft an sich zu reißen und sich den Sieg in der im Jahre 1880 stattfindenden Präsidentenwahl zu sichern, wenn sie dabei auch den klaren Sinn der Bundesverfassung verletzen müssen. Handelte es sich um einen bloßen Parteikampf zwischen Republikanern und Demokraten, dann hätte der Präsident ruhig zuschauen können. Er ist der Präsident des ganzen Landes und darf als solcher seine Pflichten nicht nach Parteiverhältnissen bemessen. Wenn aber die Parteiverhältnisse so liegen, daß die eine Partei die Schützerin der Verfassung, der Union, der Gesetze und zugleich des materiellen Wohles des Landes ist, während die andere die Revolution, den Ungehorsam, den Verrath und den Schaden des Landes vertritt, dann kann der Präsident nicht umsichtig und energisch genug handeln, dann darf er sich nicht durch Phrasen von Freiheit, Staatenrechten u. st w. blenden lassen, dann mnß er Verfassung und Union nach seinem Amtseide bewahren und seine Entscheidungen den wirklichen Ver­hältnissen und nicht verkehrten Gebräuchen anpassen. Der Süden der Union ist den Demokraten bei nationalen Wahlen gegenwärtig so ziemlich sicher, aber noch nicht genügend; nun soll die Hilfe des Abschaums in den großen Städten des Nordens, namentlich in New-Aork, herbeigezogen werden, und damit dies möglich werde, verlangten sie, daß der Präsident die ihm von den Landes-