— 240 —
größerem Rechte die deutschen Jungen" nennen können, und damit ja Niemand über die Bedeutung dieses Epitheton im Unklaren bleibe, hat Herr Röpe es fett drucken lassen. Trotzdem urtheilt er im Ganzen mit größerer Achtung von Gutzkow als Herr Koenig; er läßt ihm sogar als Dramatiker volle Gerechtigkeit widerfahren, aber auch er ignorirt — vielleicht ein stillschweigendes Abkommen dieser beiden Herren — den „Königsleutnant", in dem sich doch sicherlich keine Spur von Antichristlichem oder Staatsgefährlichem vorfindet. „Die neuen Serapionsbrüder" kennt Herr Röpe auffallenderweise ebenfalls nicht. Gleichwohl verfolgt er die neuesten literarischen Erzeugnisse bis in unsere Tage herein, wie folgende naive Bemerkung zu Spielhagen — risum tsQSÄtis! — lehrt: „Gegenwärtig bringt das Feuilleton des Hamburger Korrespondenten sein neuestes Werk ,Das platte Land^." Wer darauf angewiesen ist, seine literarhistorischen Kenntnisse ausschließlich aus dem Hamburger Korrespondenten zu schöpfen, kann freilich zu keiner umfassenden Literaturkenntniß durchdringen. Herr Röpe hätte aber den Hamburger Korrespondenten wenigstens richtig ausschreiben können. Der Spielhagen'sche Roman heißt „Platt- Land". Professor Röpe ist ein alter Herr, mit dem wir um seiner Flüchtigkeit willen nicht allzu strenge in's Gericht gehen wollen. Aber er hätte genug Selbsterkenntniß besitzen sollen, um eine Arbeit abzulehnen, der seine Kräfte nicht mehr gewachsen sind. Er urtheilt mit größter Seelenruhe über Freytag's „Journalisten", aber ich wette, er hat sie nie gelesen. „Dem gesinnungslosen Literaten Bellmaus steht die prächtige Gestalt des Bolz gegenüber", sagt er S. 915. Der gesinnungslose Literat heißt aber nicht Bellmaus, sondern Schmock, Herr Röpe! und Bellmaus ist Bolzens bester Freund. „Die Konservativen werden allein durch den intriganten Gutsbesitzer Senden vertreten." Das ist nicht wahr, Herr Röpe! das Haupt der Konservativen ist der edle, ritterliche Oberst Berg, auf den Freytag auch nicht den leisesten Schatten geworfen hat. Auch die Romane der Marlitt muß Herr Röpe gar nicht oder doch nur sehr unaufmerksam gelesen haben; denn er ist, soviel ich weiß, der einzige, der sich zu der kühnen Behauptung verstiegen hat: „ihr Stil ist frei von jeder Künstelei und Uebertreibung"!
Nichtsdestoweniger finden sich in dem Buche viel mehr treffende und unbefangene Urtheile als in der unselbständigen Kompilation Koenig's. Was Röpe über Geibel, Heyse, Lingg, Noquette sagt, wird jeder Vorurtheilsfreie Beurtheiler im Ganzen unterschreiben können. Aber der einseitige theologische Standpunkt des Verfassers und seine subjektive Willkür waltet doch derartig vor, daß man auch dieses Buch nur mit Mißbehagen aus der Hand legt. Der Herausgeber schimpft auf die Juden in einer Weise, daß man das Werk einer gebildeten christlichen Dame schlechterdings nicht empfehlen kaun. Ja,