Aas mititärische Testament Irieorich's des Kroßen.
Der letzte Wille des großen Königs in Bezug auf die Erhaltung, Ausbildung und Verwendung seines Heeres entstand in den bewegten Herbsttagen des Jahres 1768. Schon sechzehn Jahre vorher hatte Friedrich ein Testament gemacht und, dem Brauche seiner Vorgänger folgend, einen Anhang hinzugefügt, in welchem er feine Gedanken über die äußere und innere Politik niederlegte. Jene „äl8xo8itioQ tkstanieQwirs" wurde 1769 durch eine andere ersetzt, dagegen gelangte das „tk8ts.m,6iit xotitli^us" schon zwei Monate früher zum Abschluß, und zwar im Hinblick einerseits auf die Uuruhen, welche den Zersetzungsprozeß des Königreichs Polen begleiteten und die Nachbarmächte schließlich nöthigten, die Lösung der polnischen Frage selbst in die Hand zu nehmen, andererseits auf den zwischen, Rußland und der Pforte ausgebrochenen Krieg.
Am Schlüsse seines, die Angelegenheiten des königlichen Hauses regelnden Testamentes ruft Friedrich aus: „Meine letzten Wünsche im Augenblicke, wo ich sterbe, werden auf das Wohl dieses Reiches gerichtet sein. Möge es immer Mit Gerechtigkeit, Weisheit und Stärke regiert werden, möge es von allen Staaten der glücklichste sein in Bezug auf die Menschlichkeit seiner Gesetze, am besten verwaltet in feinen Finanzen und am tapfersten vertheidigt durch ein Heer, welches nur der Ehre und dem Ruhme lebt." In diesem Sinne sind denn auch die Rathschläge gehalten, welche Friedrich hinsichtlich der weiteren Leitung des preußischen Kriegswesens hinterlassen hat, und welche vor kurzem in einer von dem Major A. v. Taysen besorgten kommentirten Ausgabe veröffentlicht worden sind.*) Sorgfältig und gewissenhaft werden alle Punkte erörtert, die dabei von Wichtigkeit sind. Klar überschaut der König zunächst sämmtliche Glieder des kvmplizirten Organismus seiner Armee, prüft jedes einzelne und weist die Mittel zur Pflege und zur weiteren Durchbildung des-
Das militärische Testament Friedrich's des Großen. Herausgegeben und erläutert von A. v. Taysen, Major im Großen Gencralstabe, Berlin, Mittler und Sohn, 1379.
Grenzboten II. 1879. 27