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haltenden Schlußkapiteln des ganzen Werkes, Es ist zuerst die Frage nach der Entstehung der Organismen, deren vom Standpunkte des Darwinismus gegebene Beantwortung einer sorgfältigen Beurtheilung unterzogen wird. Vier Erklärungsversuche liegen vor: 'die Theorie der Urzeugung, die im Laufe der Zeit immer mehr Boden verliert in Folge fortgesetzter exakter Experimente, die sie widerlegen; sodann die Hypothese eines Herübergekommenseins der frühesten Lebenskeime aus anderen Weltkörpern mittelst auf die Erde gefallener Asteroidentrümmer, eine Annahme, über die sich Liebig und Helmholtz nicht ungünstig ausgesprochen haben, die aber doch wenig Eingang gefunden hat; drittens die Allbeseelungslehre, die Annahme eines ursprünglich organisch-belebten Zustandes unseres Planeten, als des fruchtbaren Mutterschooßes, aus dem alles jetzt auf seiner Oberfläche existirende Leben unmittelbar hervorgeboren sei; endlich die Behauptung einer immerwährenden Existenz thierischen nnd pflanzlichen Lebens neben anorganischem auf der Erde, eine evolutionistische Kreislaufstheorie. Unter diesen vier Theorieen erscheint Zöckler die der einstigen ersten Urzeugung am wenigsten bedenklich, natürlich immer unter der Voraussetzung, daß dieselbe nicht ans blinde Naturkräfte, sondern auf den Machtwilleu des persönlichen göttlichen Schöpfers zurückgeführt werde.
Eine zweite Frage betrifft die Entwickelung des organischen Lebens bis zur oberen Thierwelt aus wenigen Grundtypen. Hier hat das religiöse Bewußtsein keinen Einspruch zu erheben, wenn nur jene Grundtypen auf göttliche Kausalität zurückgeführt werden. Die Wissenschaft freilich hat diese Hypothese noch keineswegs für giltig erklärt, viele Forscher haben ihr Schranken gezogen, deren Berechtigung Darwin selbst anerkennen mußte, andere haben sie völlig abgelehnt und halten an der Cuvier-Agcissiz'schen Theorie von der UnVeränderlichkeit der Arten fest.
Die dritte wichtigste Frage bezieht sich auf den Ursprung des Menschen. Mit Recht wird hier von Zöckler hervorgehoben, daß keine Instanzen vorliegen, die zu der 'Annahme thierischer Abstammung nöthigen. Die Mikrokephalen erscheinen immer allgemeiner nicht als Beweise für den Atavismus, für eiu Zurücksinken auf ein früheres thierisches Niveau, sondern als krankhafte Mißbildungen; genaue Schädelmessungen haben gezeigt, daß die höchst stehenden Affen von den niedrigsten Menschen durch eine viel weitere Distanz getrennt sind als von allen vorausgehenden niederen Thierarten. Die geschwänzten, die am ganzen Körper behaarten Menschen, die Zwergvölker, die Waldmenschen haben sich theils als vereinzelte pathologische Erscheinungen, theils als sagenhafte Existenzen erwiesen. Das fossile Mittelweseu zwischen Thier und Mensch ist bis jetzt vergeblich gesucht worden. Die Theorie von dem rohen Urzustände der Menschen hat von Linguisten wie Wilhelm v. Humboldt, Whitney, Max
Grenzbotm II- 1879. I!)