Beitrag 
Zur Situation in den Vereinigten Staaten.
Seite
113
Einzelbild herunterladen
 

113

zweifelhaft; irgend ein unvorhergesehener Umstand kann die kühleren Köpfe bei Seite schieben und die heißblütigenFeueresser" (WirssÄters) die Oberhand gewinnen lassen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sich die Demokraten nicht damit zufrieden geben, in der Extra-Sitzung der Regierung nur die zur Fort­führung der Geschäfte nöthigen Gelder zu bewilligen, sie werden politische Maßregeln zur Sprache bringen, die auf die nächste Präsidentenwahl Bezug haben, und hierbei wird und muß sich ein harter Kampf mit den Republikanern entwickeln. Schon die Bewilligung der Gelder für die Erhaltung der Armee wird zu den heftigsten Debatten Veranlassung geben. Das übermüthige und herausfordernde Auftreten der extremen Südländer und ihrer nördlichen Bundes­genossen hat übrigens den Präsidenten Hayes der Masse der republikanischen Partei näher gebracht, als dies früher der Fall war, und fomit können die Republikaner der Zukunft ruhigen Muthes in's Auge sehen. Die schlimmen Beschlüsse der demokratischen Partei können durch ein Veto des Präsidenten leicht illusorisch gemacht werden, da letztere im Kongresse nicht über eine Zwei­drittelmajorität verfügt. Jedenfalls darf man dem Resultate der jetzt tagenden Extra-Sitzung des Kongresses mit Spannung entgegensehen; ohne Einfluß auf die nächste Präsidentenwahl wird sie nicht bleiben.

Literatur.

Geschichte der Griechischen Literatur. Für Gymnasien, höhere Bildungsanstalten und zum Selbstunterrichte von Eduard Munck. 3. Auflage. Neu bearbeitet von Richard Volkmann, Gymnasialdirektor in Jauer. Erstes Heft. Berlin,

F. Dümmler, 1879.

Daß Bücher ihre Schicksale haben, das hat auch Munck's Griechische und Römische Literaturgeschichte erfahren müssen. Die erstere ist zuerst 1849 er­schienen, dann in einer zweiten, vom Verfasser selbst noch besorgten Ausgabe 1863, und jetzt endlich, also volle 30 Jahre nach dem ersten Erscheinen des Buches, kann die Verlagshandlung mit einer dritten, von fremder Hand be­arbeiteten Ausgabe hervortreten. Der Absatz von zwei Auflagen binnen drei Jahrzehnten in der That ein lächerliches, eigentlich unbegreifliches Resultat einem so trefflichen, praktischen, brauchbaren Buche gegenüber! Munck's Dar­stellung ist der heutigen Generation fast unbekannt, und doch ist sie für den weiteren Kreis der Gebildeten, wenn wir von Otfried Müller's schönem Torso absehen, eigentlich das einzige Buch auf diesem Gebiete, das man mit gutem

Grenzboten II. 137S. IS