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Politische Briefe. V. : Die Würde eines deutschen Parlaments.
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der Eindruck der präsidialen Disziplinargewalt in einer Weise verstärkt worden, wie sie nicht leicht wieder vorkommen wird und wie sie in früheren Fällen trotzigen Rednern gegenüber auch nicht eingetreten ist. Die Berufung auf dieseu einzelnen, seinem ganzen Zusammenhang nach exzeptionellen Vorgang ist also ohne nachhaltige Kraft. So greift man denn zu dem Argument, was traurigerweise bei vielen Wortführern in parlamentarischen Dingen noch immer das erste und letzte ist, man holt das englische Beispiel herbei. Hat nicht einmal ein verrückter Oberst im Unterhaus gesagt, man solle die Sitze dieser Schurken von Ministern mit Wasser und Seife waschen, damit jede Spnr der Inhaber verschwinde? So etwas kann allerdings im englischen Unterhause ge­sagt werden: das eine Mal, ohne daß Jemand darauf achtet, das andere Mal muß der Redner an der Barre des Hauses erscheinen, sich' vor dem Sprecher verneigen und um Entschuldigung bitten. Was folgt daraus? Wir können die dortigen abgeschmackten Zeremonien: zur Verschärfung unserer Disziplin nicht gebrauchen, aber noch viel weniger sollte einem verständigen Deutschen der Gedanke kommen, daß ein deutsches Parlament dergleichen Dinge ohne nachdrückliche, nicht blos disziplinarische Ahndung anhören könne, oder daß die deutsche Nation dergleichen als den Ausfluß der Berufsvollmacht ihrer Ver­treter geduldig hinnehmen müsse. Es gibt jedoch wirklich Deutsche, die nicht in allen Stücken unverständig sind, und solche muß man ja doch als verständige Lente betrachten, die uns alles Ernstes empfehlen, dickfellig zu werden, wie die Engländer, oder auf Herausforderungen mit Ausbrüchen lärmender Wuth zu antworten und dann wieder eine Weile nebeneinander zu sitzen, wie die Fran­zosen. Ueber den Werth dickfelliger Minister hat sich schon einmal der Reichs­kanzler ausgelassen in einer Weise, die nicht vergessen werden darf. Der Zn­sammenhang zwischen der Art, die moralische Würde des Privatmannes, der Staatsdiener und Volksvertreter, der öffentlichen Körperschaften und endlich der ganzen Nation in ihrer höchsten Körperschaft zu wahren mit der eigensten sittlichen Wurzel des Volkscharakters ist ein großes Thema, das einmal eine eingehende Behandlung erheischt, weil man in dieser Beziehung uuserm Vvlks- charakter Dinge zumuthet, die ihn in seinen besten Anlagen verwüsten würden. Dies entspringt aus dem unglücklichen Mangel an Selbstvertrauen und der aus diesem Mangel hervorgehenden Nachäfferei des Fremden, die uns noch anhaften.