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Die echten, alten Kinderlieder brauchten nur wieder lebendig gemacht zu werden, die Kindergärtnerinnen vor allen müßten sie singen lernen, die Mütter sie wieder singen lernen, so hätten wir, was wir brauchen. Den heimischen Vorrath durch ausländisches Gut zu vermehren, ist ganz überflüssig, aber es würde kein Unglück sein; es ist aber auch — ganz unmöglich. So taktvoll und liebenswürdig der Herausgeber seine französischen Kinderlieder in's Deutsche gebracht hat — jenen undefinirbaren Zauber, der auf dem echten Kinderliede ruht, hat er seinen Uebersetzungen nicht mitgeben können. Die meisten darunter klingen eben — übersetzt, und die abgerundetsten, die zur Noth für Originale gelten könnten, klingen so „gebildet", als ob etwa solche Püppchen sie singen sollten, wie Oskar Pletsch sie gezeichnet hat.
Für Kinder ist also die Sammlung entschieden nicht geeignet. Wohl aber wird sie allen, die sich aus wissenschaftlichem Interesse oder Liebhaberei mit dem Volksmärchen und dem Volksliede beschäftigen, willkommen sein. Zwar greifen diese lieber nach den Originalen, aber wo stecken die Originale? Nun, der Herausgeber hat durch gewissenhafte Quellennachweise dafür gesorgt, daß jeder, der Lust dazu hat, sie sich verschaffen kann.
Literatur.
Die Jesuiten in Nordamerika. Von Franz Parkman. Stuttgart, Abenheim'- sche Verlagsbuchhandlung, 1878.
Ein höchst interessantes Buch über einen Gegenstand, der bisher nur ganz oberflächlich bekannt war. Nach dem Titel könnte man meinen, der Verfasser erzähle uns von dem Wesen und Wirken der Gesellschaft Jesu im Norden des westlichen Kontinents, wo dieselbe, wie man weiß, in bedenklicher Weise festen Fuß gefaßt und weitreichenden Einfluß gewonnen hat. Dem ist indeß nicht so, das Buch ist vielmehr eine Fortsetzung der Beiträge zur ältesten Geschichte Canada's und der südlichen Nachbarländer, welche Parkman in früheren Schriften geliefert hat, und es berichtet uns von den" Versuchen der Jesuiten des siebzehnten Jahrhunderts, die Indianer zu bekehren und eine Art Neufrankreich neben Neuengland zu gründen, ihren Erfolgen, ihren Abenteuern und Leiden und dem fchließlichen Scheitern des Unternehmens in Folge des Unterganges des Huronenstammes, auf den die Missionäre vorzugsweise ihr Auge geworfen hatten, und der von den Irokesen in einem langen, mit entsetz-