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Zur Biographie von Petrus Paulus Rubens.
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Zur Mographie von Petrus Mulus Kubens.

Gelegentlich der glänzenden Feier, welche die Stadt Antwerpen und mit ihr das gesammte Belgien zur dreihundertsten Wiederkehr des Geburtstages von Petrus Paulus Rubens im Angust 1877 veranstaltete, ist eine Reihe von Festschriften erschienen, die in Deutschland ziemlich unbekannt geblieben sind, und von denen doch die eine und die andere neues und werthvolles Material zur Kenntniß des großen Meisters beibringt. Die Mehrzahl dieser Schriften ist freilich polemischer oder panegyrischer Natnr. Polemischer, weil die Ant­werpener sich um keinen Preis den Ruhm nehmen lassen wollen, in ihren Mauern die Wiege ihres berühmten Mitbürgers beherbergt zu haben. Nach den archivalischen Forschungen unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß von den drei Städten, die sich um die Geburt des Malerfürsten streiten, Antwerpen, Köln und Siegen, die stolze Scheldestadt deu geringsten und das kleine west- phälische Städtchen den größten Anspruch auf die Ehre erheben darf, der Ge­burtsort von Rubens gewesen zu sein. Ein deutscher Kunstschriftsteller, Dr. Gaedertz, welcher der Einladung des Antwerpener Gemeinderaths zur Theil­nahme an der Rubensfeier und dem damit verbundenen artistischen Kongreß gefolgt war, hat in einer kleinen Schrift*) noch einmal übersichtlich die Gründe zusammengestellt, welche für und wieder Antwerpen, für und wieder Siegen sprechen, und nebenher eine lebendige Schilderung von den zahlreichen Festen und Ausstellungen gegeben, mit welchen die Stadt Antwerpen die Fremden damals übersättigte.

Nach den authentischen, für Siegen sprechenden Zeugnissen konnte es nur einen komischen Eindruck machen, daß man die im Vestibül des Museums er­richtete Kolossalbüste des Meisters mit der Inschrift:Geboren in Antwerpen" versehen hatte, umsomehr als der offizielle Katalog der Gemäldesammlung, ein Muster seiner Gattung, mit cmerkennenswerther Objektivität Siegen für den wahrscheinlichen Geburtsort von Rubens erklärt hatte.

Den Mittelpunkt der Feste bildete oder hätte wenigstens bilden sollen der artistische Kongreß, der in dreitägigen Verhandlungen über verschiedene künstlerische Fragen von theils praktischer, theils theoretischer Bedeutung debat- tirte. Im Allgemeinen kommt bei solchen und ähnlichen Kongressen nichts heraus. Höchstens, daß aus einer langen Reihe von Resolutionen die eine oder die andere von dem einen Kongreß zum anderen hinübergerettet wird und

*) Rubens und die Rubensfcier in Antwerpen von Dr. Theodor Gaedertz, Leipzig, 1878, Wilhelm Engclmcmn.