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entrückt waren, auf das Sorgfältigste durchgeführt. Aus diesen Figuren spricht das Behagen des echten Künstlers an seinem Werke, der nicht auf den Beifall und die Bewunderung der Menge sieht, sondern zu eigener Befriedigung schasst.
In den Peloponnes konnten Alkmnenes nnd Paionios die Marmorarbeiter der Athenischen Werkstätten nicht mitnehmen. Sie waren hier auf die Beihilfe von einheimischen Steinmetzen angewiesen, die nach der ihnen überkommenen Tradition noch in alterthümlicher Befangenheit arbeiteten. Die zwölf Metopen mit den Thaten des Herakles, welche die Vorder- und Rückwand der Zella des olympischen Zeustempels schmückten, sind augenscheinlich das Werk ihrer Hände, das langsam ohne Ueberhastung entstand. Bei dem ersten Ausgrabungsversuche, den die Franzosen im Jahre 1829 auf dem Boden von Olympia unternahmen, und der sogleich die Lage des Zeustempels offenbarte, wurden Bruchstücke von fünf verschiedenen Metopen gefunden. Die deutschen Ausgrabungen förderten noch zwei Fragmente, die zu den jetzt im Lonvre befindlichen Stücken gehören, und die Fragmente von drei anderen Metopen zn Tage. Eines derselben, Herakles, den Himmel tragend, mit König Atlas und einer Hesperide, gibt die ganze ursprüngliche Komposition bis auf die Beine der beiden Männer wieder. Wir sehen an diesen Resten, daß ihre Verfertiger sich auf eine gute Durchbildung des nackten Körpers verstanden, daß sie aber die Gewänder noch in der steifen Feierlichkeit der archaischen Kunst anordneten. Diese alterthümliche Gebundenheit der elischen Künstler vermochte weder dem freien Naturalismus des Paionios noch der kühnen Aktion zn folgen, welche für die Gruppen des Alkameues charakteristisch ist. Wir sehen aus ihren Arbeiten, daß ihnen die attischen Künstler nicht Gipsmodelle in natürlicher Größe, sondern nur kleine Skizzen zur Verfügung stellten, denen gegenüber die guten Provinzialen völlig rathlos waren. Es scheint außerdem mit großer Hast gearbeitet worden zu sein.
Die Rückseiten der Statuen wurden roh gelassen. Glieder, die nach rückwärts gekehrt waren, wurden nicht einmal augedeutet. Man vertraute eben auf den hohen Aufstellungsort — 17 Meter über dem Erdboden —, der manche Unbeholfenheit, manche Rohheit dem Auge des Beschauers entzogen hat. Endlich kam noch die Farbe hinzu, die belebte und, wo es noth that, verdeckte.
Die Giebelgruppen von Olympia wollen nicht als selbständige Kunstwerke betrachtet sein. Als solche würden sie vor keiner Kritik bestehen. Sie sind Glieder eines architektonischen Organismus, mehr dekorative als selbständige Skulptur, und darum wird man nur zu einer richtigen Werthschätzung der gefundenen Trümmer gelangen können, wenn man sie in der Höhe aufstellt, für welche sie ihre Urheber berechnet haben.
Immerhin enthalten sie aber eine kunstgeschichtlich sehr wichtige Bestäti-