Beitrag 
Stanley´s Reise durch Afrika. III : auf dem Kontinent bis nach Kikoka.
Seite
273
Einzelbild herunterladen
 

273

Stanley's Keife durch Afrika.

m.

Auf dem Kontinent bis nach Kikoka.

Die ostafrikanischen Dörfer Bagamoyo, Whindi und Saadani sind aus mancherlei Gründen die besten Ausgangspunkte für eine Reise in das Innere Afrika's. Die Einwohner derselben sind an solche Durchzüge gewöhnt; man kann sich bei ihnen mit den letzten noch mangelnden Bedürfnissen und Mann­schaften versehen. Auch läßt sich hier schon die erste Probe auf die Disziplin der Mannschaft machen. Heimweh und Verlockung zur Desertion pflegen hier zum ersten Male aufzutauchen. Mit Milde aber, doch mit eiserner Festigkeit ist Znchtlosigkeit und Treubruch niederzuhalten. Sonst ist die ganze Reisege­sellschaft verloren. Gleich in Bagamoyo, wo Stanley zuerst einige Tage Rast machte, mußte die ganze Kunst des energischen Befehlshabers entfaltet werden, um Mannszucht herzustellen. Eben will er nach der Ankunft Musterung über seine Schaar halten, als ganz Bagamoyo schon in Gährung gerüth. Der weiße Mann hat alle Räuber, Raufbolde und Mörder Zanzibar's her­gebracht, um die Stadt in Besitz zu nehmen!" Dieses Gerücht durchläuft in wilder Hast alle Straßeu, Gassen, Höfe und Bazars, Männer mit blutrothen Gesichtern, wilden, blutgierigen Augen, beschmutzten, zerknitterten und zerrissenen Kleidern taumeln an das stille Quartier des weißen Mannes heran und schreien nach Flinten und Munition. Araber mit gezogenen Schwertern und sehnige Belutschen mit Luntenschlössern und zum Anzünden breitgehaltenem Zunder kommen unter Drohungen heran und hinter ihnen drein eine buntgemischte Masse von aufgeregten Männern, während im Hintergrunde ein Pöbelhaufen toller Weiber und boshafter Kinder siedet und kocht.

Anf die Frage Stanley's, worüber sie zu klagen hätten, erhob sich eine Fluth von Anklagen gegen die Wangwana Stanley's. Sie sollten gestohlen, gemordet, geraubt, Waaren ans Vorrathshäuseru entwendet, Teller zerbrochen, Hühuer geschlachtet, Jedermann angegriffen, Frauen mißhandelt und die Stadt mit Braud und Vernichtung bedroht haben. Als die Spezialisirung dieser Anklagen, die Namhaftmachung der Thäter verlangt wurde, gelang zunächst die Ueberführung eines gewissen Mnstapha. Er hatte einen Ladenbesitzer miß­handelt und bestohlen und bei der Verfolgung ihn lebensgefährlich mit einem Messer bedroht, bis er selbst von Andern niedergeschlagen wurde. Der Böse­wicht wurde in ein finsteres Loch gesteckt und etwa zwanzig andere Wangwana, die sich in ähnlicher Weise vergangen, theilten sein Schicksal in andern Löchern.

Grenzboten III. 1878. SS