Die Entwickelung des altrömischen Kriegswesens.
Von Max Jähns. V.
Die Zeit des ersten pnnischen Krieges.
Ueberblickt man die Gesammtheit der römischen Heeresentwickelung bis zu den punischen Kriegen, so erkennt man, daß ihre Stärke durchaus auf ihrem innigen Zusammenhange mit der bürgerlichen Verfassung beruht.
Den großen Grundsatz, daß die Vertheidigung des Staates Recht und Pflicht eines jeden Bürgers, aber auch nur des Bürgers sei, hat kein Volk so energisch und für alle Zeiten vorbildlich durchgeführt wie das römische. Zur Zeit des großen Marcus Furius Camillus waren die Römer einen Augenblick in Gefahr gewesen, Söldner uud Reisläufer zu werden, wie es damals die Kmnpaner wurden. Aber die Neugestaltung der Legion und die Erhebung des Bauernstandes durch die licinischen Gesetze entschieden für Jahrhunderte, daß die Söldnerei kein römisches Geschäft und die Legion ein Bürgerheer sein solle.*) Zwar bedingte die Manipularordnung eine weit ernstere und längere militärische Schule als die frühere phalangitische Legion, in welcher das Schwergewicht der Masse auch die Ungeübten zusammenhielt. Wenn dennoch kein eigener Soldateustaud sich entwickelte, so ward dies hauptsächlich dadurch erreicht, daß man die Gliederung der Mannschaft nach dem Vermögen aufgab und sie durch eine solche nach dem Dienstalter ersetzte. Der römische Rekrut trat jetzt ein unter die leichtbewaffneten Veliten und wurde dann allmählich von Treffen zu Treffen weiterbefördert, bis endlich die langgedienten und er-
*) Nitzsch a, a O. Grenzboten III. 1873.
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