Friedrichs des Hroszen Kadeaufenthalt in Landeck 1765.
Friedrich der Große, dessen Natur von Jugend an nicht die festeste war, hatte zwar die Strapazen des siebenjährigen Krieges selbst glücklich überwunden, als aber die Nervenanfrcgung nachließ, machten sich die Nachwehen der übermüßigen Anstrengungen und Entbehrungen, die der Riesenkampf erheischt hatte, geltend, so daß er endlich, wiewohl uuter hestigem Widerstreben, ganz gegen seine sonstigen der ärztlichen Wissenschaft durchaus nicht giiustigen Ansichten seine Zuflucht zu einer Badekur nahm. Schon im Januar 1765 fühlte sich Friedrich, wie er an Voltaire schrieb, sehr geschwächt und von Krankheit geplagt: er suchte sich, wie er sich ausdrückt, durch Diät nnd Geduld zu heilen; Elixire und Trank, sagte er, hätten ihm nicht die geringste Erleichterung gewährt, dagegen habe er sich bei strenger Diät stets wohl befunden; übrigens verlohne es sich nicht das Leben zu verlängern, selbst wenu es möglich sei. Am 25. April schrieb er an Fonque, der damals als Dompropst in Brandenburg lebte, er leide seit 5 Wocheu an der Gicht nnd werde von den Hämorrhoiden in einer Weise, wie noch nie vorher, geplagt, nnd er müsse eine Pause in seinen Leiden wahrnehmen, um ihm Nachricht von sich zu geben. Seine Beine begannen anzuschwellen, selbst Spnren von Lähmung stellten sich ein und er konnte nnr mit Unterstützung gehen und zn Pferde steigen. Die strenge Diät schlug diesmal nicht an. Zwar nahm er im Frühjahr noch zwei Revüen ab; aber seine Uebel hemmten ihn so sehr in seiner gewohnten Thätigkeit, daß er sich entschloß, die Reise zu eiuer dritten Revue uach Neisse zu einem Abstecher nach dem Bade Landeck in der Grafschaft Glatz zu machen, das ihm seit langer Zeit wohlbekannt war, und das er jedenfalls im Auge hatte, wenu er 1754 Voltaire anrieth, anstatt das von demselben bevorzugten Vogesenbades Plombieres die schlesischen Bäder zu gebrauchen. Friedrich's Aufenthalt in Landeck bildet ein Idyll mitten in der bewegten und von rastloser Arbeit angefüllten Negierungs- Grenzboten II. 1873. ' Sö