— 334 —
dens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung." Gott segne und schütze den Kaiser! W. v. H.
pariser Studien.
m.
Es ist keine ungleichmäßige Behandlung, wenn wir den Inhalt des zweiten Bandes von Max Nordau's „Pariser Studien und Bilder"*) in einem einzigen Artikel vortragen, während wir dem ersten Bande zwei längere Besprechungen widmeten. Denn wenn wir das Meiste von dem, was der erste Band enthält, als neu und originell bezeichnen konnten, enthält der zweite Band zum großen Theil nicht gerade Neues und soweit die daselbst deponirten Gedanken und Urtheile auf Neuheit Anspruch machen, sind sie zum Theil nichts weniger als stichhaltig. Wir möchten daher auch den Werth des ersten Bandes im Allgemeinen höher stellen, als den des zweiten. Einige Beispiele für unser Urtheil mögen genügen.
Gleich unter den „Porträts und Chargen", die den zweiten Band eröffnen, treffen wir auch einige recht alte Bekannte: Alexander Dumas (Sohn), George Sand u. s. w., über welche schwerlich irgend Jemand von dem Verfasser Neues zu hören erwartet und wenn er es erwartete, sich schmerzlich getäuscht sehen dürfte. Sehr neugierig sind wir dagegen, wer wohl „der Pariser Aristophanes" sein mag, den der Verfasser uns vorzustellen sich anheischig macht. Wir schlagen eifrig das pikante Kapitel auf und finden zu unsrem namenlosen Erstaunen unter dieser klassischen Hülle wen wohl hervorschauen... Herrn Jacques Offenbach! Man braucht wohl nur den Namen dieses Herrn neben Aristophanes zu nennen, um ganz ruhig versichern zu können, daß Nordau keinen Schimmer von der Bedeutung und Würde des Aristophanes haben kauu, wenn er diesem die Beleidigung anthut, ihm im Ernste Herrn Offenbach an die Seite zu stellen. Für unser Publikum sind weitere Worte über diesen Punkt überflüssig. Um aber festzustellen, daß Nordau mit der Parallele Offenbach-Aristophanes nicht etwa blos einen mehr oder minder geistreichen Scherz hat machen wollen, sondern wirklich meint, die beiden Namen seien ebenbürtig, genügt es folgende Dithyramben anzuführen: „Möge es dem Leser
*) Leipzig, Duncker und Humblot, 1873.