Die deutsche Litteratm während des achtjährigen Friedens 1748-1756. (KloMock, Wieland, Lessing, Winkelmann, Kant.)
Von Julian Schmidt. I.
Januar 1748 wurden in den „Bremer Beiträgen" die drei ersten Gesänge des „Messias" veröffentlicht.
24. April trat der Kongreß zu Aachen zusammen, der 18. Okt. dem achtjährigen europäisch-amerikanischen Kriegszustand ein Ende machte. Friedrich, der kriegerische Held, lebte anscheinend in zufriedener Muße in seinem neube- gründeten Sanssouci.
Diese beiden Daten wollen etwas sagen.
Der Ueberschuß an Empfindungen, der sich in dem abgeschwächten Zeitalter weicher mitleidsvoller Humanität aufgespeichert hatte, kam in Klo pst o ck's Dichtungen zum Durchbruch; der achtjährige Friede, der darauf folgte, gab den wohlwollenden Leuten, die durch keinen Kriegslärm mehr gestört und in Anspruch genommen wurden, Muße genug, dies Empfindungsleben in sich zu verarbeiten, einen Kultus daraus zu machen. Gegen das Ende dieser Jahre gesellte sich Winkelmann zu Klopstock, und rief einen neuen Sturm der Begeisterung hervor. Beide lehnten sich an die Antike, beide wurden die Begründer des deutschen Idealismus.
Deutschland hatte schon länger als ein halbes Jahrhundert in christlichen Empfindungen geschwelgt. Die Pietisten hatten sich bemüht, unabhängig von den symbolischen Büchern christlich zu empfinden und die Stimmungen ihres Innern zu beobachten; sie hatten von der Bestimmtheit der Dogmen abstrahirt, um sich ganz rein dem Strom ihrer frommen Gefühle zu überlassen. Die Grenzboten I. 1873. 46