In ersterer Beziehung haben die Abgeordneten Rickert und Nichter treffend auf den Grundirrthmn in den Regieruugsanfstellungen aufmerksam gemacht, als ob die durch die Ausgestaltung der inneren Organisation des Reiches bedingteu Mehrausgaben sowohl, wie die durch die wirthschaftliche Kalamität bedingte geringere Ertragsfähigkeit der Zölle und Verbrauchssteuern auf dauernden Ursachen beruhten. Dies Argument richtig gewürdigt, dürfte sich in den Etatsansätzen manche Korrektur vornehmen lassen. Außerdem haben die genannten Redner schon eine ganze Reihe möglicher Ersparnisse angedeutet, und die Budgetkommission wird ihnen in dieser Richtung mit gewohnter Spnrkraft folgen. Auch ist es nicht unwahrscheinlich, daß sie wieder diesen oder jenen vergessenen Vermögensposten ans Licht ziehen und zur Verminderung des Ausgabenetats nutzbar machen wird. So ist die Aussicht nicht unbegründet, daß das sogenannte Defizit, wenn auch nicht ganz beseitigt, doch wenigstens beträchtlich reduzirt wird. Auch im schlimmsten Falle aber ist kein Grnnd einzusehen, weshalb die Matrikularbeiträge über ihren gegenwärtigen Betrag hinaus durchaus uicht mehr gesteigert werden dürften. Selbst wenn der Mehrbedarf in der vollen Höhe des Etatsvoranschlages bestehen bliebe, würden die Matrikularbeiträge. doch das Niveau nicht überschreiten, auf welchem sie zu Zeiten des Norddeutschen Bundes bereits standen. Und gewiß ist es doch rathsamer, den Apparat der Matrikularbeiträge, trotz seiner Mangelhaftigkeit, unter dem Vorbehalt seiner vollständigen Beseitigung respective seiner gründlichen Verbesserung noch einmal anzuspannen, statt sich auf Neuerungen einzulassen, welche selbst eine Reform nicht sind, wohl aber einer solchen in bedenklicher Weise prä- judiciren können.
Nach alledem begreift sich, warum man bei der ersten Berathung des Budgets von einer Erörterung der Steuervorlagen Abstand nahm. Dieselben gelangen gesondert, und numnehr ausschließlich unter dem Gesichtspunkte der Steuerreform, zur Verhandlung. Der Gedankengang, in welchem sich die Budgetdebatte bewegte, ist in dem, was wir über die Bemerkungen von Rickert und Richter gesagt, im Wesentlichen angedeutet. Die Schwäche der Vertheidigung, welche vom Bnndesrathstische aus versucht wurde, zeigt, daß man sich über das Schicksal der Steuervorlagen keine Illusionen macht. X-
Lin Stück europäischen Maventhums.
Ich hätte diesen Artikel auch überschreiben können: „Der moderne Schacher mit Manuskripten"; damit habe ich gesagt, um was es sich handelt, und will,