Beitrag 
Die Entwickelung des altgriechischen Kriegswesens. IV .
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

Die Lntwickelnng des altgriechischen Kriegswesens.

Von Max Jähns. IV.

Wie militärpolitisch und strategisch, so waren die Perser am Tage von Platüä auch taktisch in der Offensive, Demnach erfolgt der Angriff des Mardonius nach und nach, ohne rechtes Ineinandergreifen der einzelnen Heerestheile; aber auch die hellenischen Kontingente fechten fast vereinzelt; mißtrauische Eifersucht hält sie aus einander und läßt sie gegenseitig warten. Die Spartaner leisten wenig, weil sie eine krankhafte Scheu davor haben, ihre fest geschlossene Phalanx irgendwie zu lockern. Sie zeigen sich daher außer Stande, die Verschildung des national-persischen Fußvolks zu durchbrechen, und noch weniger vermögen sie, das verschanzte Lager zu stürmen, auf welches sich das geschlagene Heer des Großkönigs zurückzieht. Das eine mal müssen die Tegeaten, das andere mal die Athener das Beste thun.

Ein Grund des Sieges der Hellenen über die Perser liegt in der Zahlen­überlegenheit der letzteren selbst, welche in dein beschränkten und durch seine horizontale wie vertikale Bodengliederung äußerst schwierigen Gelände Griechen­lands nicht nur gar nicht zur Geltung kam, sondern geradezu hinderlich wirkte. Die gewaltigen Massen gingen zumeist an ihrer eigenen Unbeholfenheit zu Grnnde. Sie kamen großenteils nicht einmal znm Gefecht; ihr Vorhandensein aber schwächte die Ausdauer des ersten Treffens, welches meinte, den andern Treffen doch auch noch einige Arbeit übrig lassen zu müssen. Wie jene über­mäßige Anhäufuug von Streitkräften die Verpflegung außerordentlich erschwerte, so minderte sie auf dem Schlachtfelde die Manövrirfähigkeit und steigerte die Unordnung des Rückzugs.

Auf griechischer Seite aber kannte und beherrschte man die taktische Gliederung, welche den Persern abging, vollkommen. Die Phalanx war in GrenMten I. 1878, 1«