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Die Entwickelung des altgriechischen Kriegswesens. I .
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wohl ist es auch zu Hvmers Tagen noch hoher Ruhm unter deu Achüern, ein guter Schütze zu sein; aber die Helden ziehn es doch vor, aus größerer Nähe mit der Lanze gegeneinander zu kämpfen. Die Vorkämpfer brauchen die Lanze viel seltener zum Stoß als zum Wurf, wobei es darauf ankommt, den Speer so gewaltig zu schleudern, daß er Schild und Panzer durchdringt. Das schwergewaffnete Fußvolk bedient sich dagegen der Lanze zum Stoß. Unter den Stämmen, welche den Nahkampf in geordneten Schaaren durchführten, er­wähnt die Jlias besonders die tapferen Abanten. Auch die, Arkader und Dardaner genießen desselben Rufes; und unter den Führern erscheint als der vornehmste Taktiker Nestor,der gerenische Reisige." Er spricht den großen allgemeinen Grundsatz aller Naturvölker aus, die Männer nach den Stämmen, Sippschaften und Geschlechtern anzuordnen; er stellt eine Doppelphalanx auf: die Streitwagen im ersten, das Fußvolk im zweiten Treffen, und befiehlt, in gleichmäßiger Linie vorzurücken; er schon wendet den Kunstgriff an, die schlechten Krieger in die Mitte zu nehmen, um sie zum Kampfe zu nöthigen.

Uebrigens führten nicht alle griechischen Völker die Nahwaffen. Die Mannen des Philoktetes, die Lolrer des jüngeren Ajas und die Päonier fechten als Bogenschützen; die Lokrer gebrauchten auch die Schleuder. Aber diese Fernwaffen führenden Stämme treten doch offenbar zurück, und es ist wohl nicht zufällig, daß der Name des Tenkros, des besten Bogenschützen im grie­chischen Heere, nach Asien deutet; deun Teukros ist zugleich der Name des ersten Königs von Troas, dessen Bewohner nach ihm Teukrer genannt wurden.

Von gegenseitiger Unterstützung der verschiedenen Waffen ist noch nicht die Rede; jeder Held, jeder Stamm kämpft nach seiner Gewohnheit und Landes­art mit dem gegenüberstehenden Feinde. Die Belagerungskunst zeigt sich noch ganz in der Kindheit; List und Verrath traten an die Stelle des Wissens und der Gewandtheit. Die Achüer, dnrch stete Entsendungen zur Beschaffung der Verpflegung geschwächt, sahen sich selbst gelegentlich in ihrem nur leicht verschanzten Schiffslager angegriffen. So gewährt der Krieg um Jlion in taktischer und poliorketischer Hinsicht noch ein Bild großer Ursprünglichkeit, das weit abweicht von dem, welches die höheren Entwicklungstufen der griechischen Kriegskunst darbieten; in Bezug ans die Bewaffnung dagegen steht merkwür­digerweise schon in dieser Frühzeit alles Wesentliche fest, was abgesehen von dem spät-hellenischen Geschützwesen in der Folgezeit Geltung gehabt hat.

2. Die Bewaffnung.

Die Zahl der wirklich erhaltenen griechischen Waffen ist klein, da die eisernen Stücke durch den Rost völlig zu Grunde gegangen oder doch bis zur Unkenntlichkeit zerstört sind, während die Bronzen, des Metallwerthes wegen,