Die elensinischen Mysterien.
Das in Eleusis gefeierte Fest und die mit demselben verbundenen Mysterien haben nicht nur im Alterthnm einen weit verbreiteten, bis in die spätesten Zeiten des Heidenthums andauernden Ruf gehabt, fvndern es ist jenes Fest auch unter uns durch Schiller mit neuem Glänze umgeben worden, und die eleusinischen Mysterien wurden von den Gelehrten bis in unser Jahrhundert hinein als die Enthüllung einer reinen, monotheistischen und geistigen Religion gepriesen. Solche Vorstellungen nun haben freilich jetzt längst der Forschung weichen muffen: nichts berechtigt zu der Ansicht, daß das, was im Geheimen vor den Eingeweihten gethan und gesprochen wurde, zu dem öffentlich geübten sonstigen Kultus w irgend welchem Gegensatze gestanden hätte. Indessen schließt dies nicht aus, daß nicht dennoch dieses Stück der athenischen und griechischen Götterverehrung ein höheres Interesse für sich in Anspruch nehmen dürfte, als mancher andere von den vielen nnd manuichfacheu Culten, die das griechische Volk neben einander geübt. Ein aufgeklärt deutender Athener, der Redner Jsokrates, findet in dem, was in Eleusis geschah oder von dort ausgegangen, zwei der größten Verdienste, welche sich die Stadt Athen um die auderu Hellenen erworben. "Als Demeter", sagt er, „in unser Land gekommen war, während ihres Umherirrens nach dem Raube ihrer Tochter, und für unsre Vorfahren eine huldvolle Gesiuuuug gefaßt hatte iu Folge der Wohlthaten, die nur deu Eingeweihten ön hören gestattet ist, nnd eine zwiefältige Gabe verliehen, einmal die Getreide- ^ucht, welche Ursache wurde, daß wir nicht in der Weise der wilden Thiere leben, und sodann die Weihe, deren Teilnehmer sowohl für das Ende des Lebens als auch für die gesammte Ewigkeit süßere Hoffnungen haben: da zeigte sich unsere Stadt in solchem Maße nicht allein von den Göttern geliebt, sondern "uch den Menschen freundlich, daß sie keine Mißgunst hegte, sondern, was sie empfangen, Allen mittheilte. Und das eine — die Weihen — stellen wir auch jetzt noch Jahr für Jahr zur Schau; von dem andern hat sie ein für alle Grenzbvten IV. 1^77. 46