Contribution 
Zauberei und Hexerei.
Page
281
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Zauberei und KeXerei.

Das vorliegende Thema ist neuerlich zwar mehrfach behandelt, sowohl durch Beibringen historischen Materials, als anch kritisch-wissenschaftlich. Dennoch, oder grade deshalb, dürfte es sich verlohnen für Gebildete, welche nicht zur Fachwissenschaft gehören, die Fundamente jener höchst merkwürdigen Erscheinungen klar zu legen; denn wir finden über dieselben noch vielfach irrige Vorstellungen verbreitet. Als Beispiel sei hier nur angeführt, das; mau glaubt die Zauberer oder Hexeu seien nur die unschuldigen Opfer verblendeter oder blutdürstiger Richter gewesen, während ein Blick in Hexenprozeß-Akten "nd andere geschichtliche Dokumente uns belehrt, daß die gauze damalige Zeit derartig vou diesem Aberglauben durchdrungen war, daß die Individuen selbst glaubten durch Verbindung mit bösen Geistern übernatürliche Wirkungen aus­üben zu können; das Hexen wurde gelehrt und gelernt, in sofern waren die Hexen subjektiv schuldig. Nur die vollständige Durchdringung der Mensch­heit von diesen: Wahne macht es begreiflich, wie die gelehrtesten Fakultäten, die besten und edelsten Männer mit reinem Gewissen und ohne Erbarmen die ausgesuchtesten Martern über ihre Mitmenschen verhängen konnten. Sie dachten damit im Geiste dessen zu handeln, der am Kreuze für seine Mörder betete, sie glaubten sich ein Verdienst zu erwerben, iudem sie die Beleidigung göttlicher Majestät durch Folter und Feuer rächten. Solche Richter leben nun zwar nicht mehr, aber gezaubert wird auch heute noch, so hartnäckig erweist sich der Aberglaube, und dieser Umstand ist wohl geeignet, unser Interesse an dem Gegenstande rege zu erhalten. Wir werden weiterhin sehen, daß der Hexenglaube '"cht aus zufälligen Umständen, persönlichen Überspanntheiten oder wissen­schaftlicher Beschränktheit entsprang, sondern aus einer allgemein verbreiteten Neigung satanische Thätigkeit im Leben zu erblicken. Er entsprach und entsprang den herrschenden religiösen Anschauungen und nahm daher nicht eher ab, als bis jene Nnschannngeu geschwächt und zerstört wurden.

Grenzboten IV. 1877. 66