— 174 —
lastet und verarmt war, daß der Neuerwählte vorerst nur wenig Beihülfe von daher zu erwarten hatte.
Volksmedizin.
Von Moritz Busch. II.
Die Reihe von Rezepten und Manipulationen, nach welcher die letzten Heilmethoden im vorhergehenden Abschnitte hinüberleiteten, umfaßte die sogenannten sympathetischen Kureu, mit deren verschiedeneu Arten die Leser nunmehr bekannt gemacht werden sollen. Sympathetische Kuren sind solche Versuche, Krankheiten zu Heileu, bei denen äußerlich gar keine Beziehung der Eigenschaften des Heilmittels zu denjenigen der zu heilenden Person wahrnehmbar ist, hänfig nicht einmal eine Einführung des Mittels in den Körper des Kranken oder eine Berührung des letzteren mit dem ersteren stattfindet, sondern vorausgesetzt wird, daß ein geheimnißvoller Zusammenhang des Men- schenleibes mit gewissen Gestirnen, Pflanzen, andern Menschen u. d. und eine Wechselwirkung der in beiden verborgenen Kräfte bestehe, die man durch gewisse Handgriffe uud Sprüche zu bestimmten Zeiten in Bewegung setzen, und dnrch welche man den Kranken von seinem Uebel befreien könne. Ferner ist bei ihnen gewöhnlich fester Glaube des Kranken an den Erfolg der Knr Hcmpt- bedingung, und dieser Glaube scheint in der That bisweilen zu helfen, doch kann dies auch auf Täuschung beruhen. Häufig wird noch Anderes als unbedingt nothwendig oder doch sehr förderlich verlangt. Es wird u. A. für erforderlich erklärt, daß der zu Heilende während der Anwendung des Mittels drei Tage keinen Fremden ins Haus lasse oder neun Tage nichts aus der Wirthschaft fortgebe, was namentlich in Westpreußeu uud Frankeu Vorschrift ist. Mit Ausnahme des bei solchen Kuren hänfig angewandten Besprechens oder Segnens muß sodann bei der Prozedur unbedingtes Schweigen herrschen, wenn sie gelingen soll. Ferner ist eine sehr gewöhnliche Bedingung die, daß die mit dem Kranken vorzunehmende Handlung von einer Person des andern Geschlechts vollzogen werde, die mit jenem überdies nicht zu uahe verwandt sein darf. Dagegen schreiben die Regeln bei manchen Arten dieses Zaubers vor, daß Arzt und Kranker denselben Taufnameu führen. Eine große Rolle spielen bei derartigen Heilversnchen die Zahlen Drei und Neun. Sodann gilt