416 —
Zorn des Priors Simbertus Lederer zu reizen. „Den 25. Juli 1785 Mittags, auf Befragen des ?. Priors, was wir heute, an einem Vakanztage, da man wegen Regens nicht ausgehen könnte, thnn wollten, sagte Anton spaßend: „Wollen wir uns ein braun Bier ins Gartenhaus kommen lassen?" Nun war der Teufel wieder los und die Zänkerei mit?. Anton fing mit größter Gewalt an, bis es mir endlich gelang selbe zu enden. Ueberhanpt ist der gute ?. Anton, wenn er nnr den Mund öffnet, oder sonst eine Crimasse macht, die gewöhnliche Zielscheibe aller Sottiesen und Schmähuugen."
Daß mau dein armen ?. Anton das unschuldige Verlangen nach einem braunen Bier so gewaltig übel nahm, ist um so auffälliger, da die Getränkfrage den frommen Vätern stets eine sehr wichtige war. Als guten Deutschen war es ihnen durchaus uicht gleichgiltig, was und wie viel sie zu trinken bekamen. Die auf Befehl des Abtes Benedikt Maria erfolgte Abschaffung der Vespertrünke verursachte gewaltige Aufregung und lange andauerndes Mißvergnügen. . Entziehung oder Verkürzung des regelmäßigen Bier- und Weinquantums war eine der gewöhnlichsten Strafen, die schmerzlich empfunden wurde. Uuterm 9. Juni 1778 findet sich z. B. folgender Eintrag in dem Tagebuchs: „Am Mittage durfte man dem ?. Maurus das zweitemal nicht einschenken. Dieser wurde so böse, daß er plötzlich vom Tische weggehen wollte, wenn es ?. Aurel nicht verhindert hätte. Er saß aber die ganze Zeit wie verzweifelt da. Sogar die Fratres merkten es, daß man selbem nicht eingeschenkt." Beim Nachtessen gab man dem bedauernswürdigen wieder nichts zu trinken, und „seinen Verdruß" darüber „äußerte er noch viele Tage nacheinander."
Dem ?. Mcmrus schadete es freilich nichts, wenn er einmal sein gebührendes Maß nicht erhielt, denn er trank ohnehin oft mehr, als ihm gut war. Seine vielen Räusche und sein ungebührliches Betragen in trunkenem Zustande erregten oft Aergerniß im Kloster, obgleich sonst kleinere Spitze auch bei anderen gerade nicht zu den Seltenheiten gehörten. Indessen wurde auch Männern, die in diesem Punkte tadellos dastanden, nicht selten ihr Getränk verkürzt. Voll Wehmnth schreibt der Verfasser unseres Tagebuches am 22. Dez. 1777, heute vor einem Jahre sei auf Befehl seiner Hochwürden ihm und dem ?. Benedikt der Wein entzogen worden, „weil wir ein bischen zu spät von Mayhingen nach Hause kamen, da uns doch auf dem Wege das Gutschlein gebrochen ist. Er büßte aber, ohne zu wissen, ob wir gefehlt hätten." Also noch nach Jahr und Tag ist die bittere Erinnerung an den vorenthaltenen Trunk lebendig. Um so größer war dann das Vergnügen, wenn es einmal etwas außergewöhnliches gab, wenn statt des ordinären Würtemberger Gewächses ein Frankenwein verabreicht oder sonst ein „Extrabücherlein" gespendet wurde. Dergleichen