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Geographische Sagen und Mythen. II.
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erhvb sich ein Vnum, nicht sehr hoch, aber stattlich durch seine Krvne, in der sv viele glänzende Vögel saßen, daß man kaun: noch etwas vom Laube sah. Dieser wundersame Anblick versetzte den Abt in solches Staunen, daß er Gott inbrünstig bat, ihm das Geheimniß zn enthüllen. Und auf sein Gebet flog einer der Vögel herab nach dein Schiffe, wo Brandanus saß, und als seine Flügel gegen das Fahrzeug schlugen, erklangen sie wie Glöckchen. Da forderte der Heilige den Vogel auf, ihm Rede zu stehen, wofern er ein Bote Gottes sei, und darauf sagte ihm dieser, daß er und seiue gefiederten Gefährten Reste der Verheerung seien, welche der Böse einst angestiftet habe, doch hätten sie weder gesündigt, noch Sünde sträflich gebilligt. Ohne Pein, aber auch ohne den Anblick des Allmächtigen strichen sie durch Zeit und Raum wie die andern Geister, und uur an den Festtagen der Kirche schlüpften sie in die Gestalt irdischer Geschöpfe. Auch vernahm der Abt zum ersten Male, daß ihm sieben Jahre Irrfahrt beschieden seien, ehe er das Land der Verheißung erblicken werde. Immer aber werde er in dieser Zeit Ostern und Pfingsten auf den­selben Eilanden feiern, Weihnachten aber auf der Insel Ailbey. Die Begleiter des Abtes hatten schon die Segel gespannt, als ihnen die Vögel im Chor wie zum Abschied saugen:Lxkuäi nns, Osus sklutÄi-is noster, sxes oinnium tinium tvrie et in nnvi longe."

Drei Monate Schisfens zwischen Lnft und Wasser, Angst und Entbehrung mnßten nun die Jrrfahrer ertrage», bis sie auf eine neue Insel stießen, die nur einem einzigen schmalen Schiffe Zugang erlaubte. Zwei Quellen, die eine sprudelnd, die andere rnhig, fielen ihnen auf. Ein ehrwürdiger Greis nahte sich mit gastlichem Kusse uud führte sie zu eiuem Kloster, wo andere elf Brüder sie mit frommem Gesänge empfingen. Der Abt der Insel und seine Genossen wnschen den Ankömmlingen die Füße, nnd dann setzte man sich nieder zum gemeinschaftlichen Mahle, bei dem treffliches Weißbrot uud Wurzeln von wunderbarem Wohlgeschmack aufgetragen wurdeu. Die Brüder empfingen diese Nahrung von einem unsichtbaren Almosenspender, sie wußten nicht, wo das Brot bereitet werde und wer ihnen die Wurzeln ins Kloster bringe. Jener frische Quell diente ihnen zur Labung, der heiße, sprudelnde zum Waschen ihrer Füße. So aber lebten die Einsiedler schon seit Sankt Patricks und Ailbeys Zeiten, nämlich volle achtzig Jahre. Ein noch größeres Geheimniß aber bot die Insel, als sie um die Vesper zur Kirche zogen. Das Hans Gottes war winkelrecht im Quadrat gebaut. Darin zählte man sieben Leuchter: drei über dem Altar in der Mitte nnd je zwei an den beiden Seitenaltären. Die Altäre selbst, die Kelche, Schalen, Krüge und alle andern gottesdienstlichen Gefäße warm von klarem Bergkrystall. Ehe es nun zu dunkeln begann, beteten und sangen die Brüder und zogen dann ab; nur Braudnuus und der Gmizboten III. 1877. ^