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Geographische Sagen und Mythen. II.
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sich herab ergossen. Drei Tage umschifften sie dasselbe, ehe sie einen Platz zum Landen gewahrten, hier aber wartete ihrer ein freundlicher Hnnd, der sie einen Fußsteig aufwärts geleitete. Sie gelangten dann in eine Stadt und an einen Hof, wo sie Bad und Lager gastlich hergerichtet fanden und wo ein reinlich gedeckter Tisch sie mit Weißbrot und Fischen erquickte. Nach dreitägigem Ver­weilen gingen sie wieder auf ihr Schiff und trafen da einen Jüngling, der ihnen einen Korb voll Brot und eine Tonne Wasser gebracht hatte ^ und der ihnen verhieß, sie würden bis znm Pfingsttage jeden Morgen die doppelte Labung erhalten.

So ging die Schifffahrt weiter durch verschiedene Gegenden des Welt­meers, bis wieder eine Insel vor ihnen austauchte. Dieselbe war flach, ihre Bäche waren voll Fische und ihre Wiesen voll großer weißer Schase. Da gerade das Osterfest nahte, blieben sie hier, wo sich ein einsamer Bewohner des Landes zu ihnen gesellte, der ihnen Erquickungen reichte, und von dem sie erfuhren, daß niemand jene Schafe melke, kein Frost ihnen wehe thue und daß sie immer auf der Weide blieben, weshalb sie auch so groß wie Rinder würden. Zum Abschied sagte er ihnen, sie würden gegen Pfingsten das Paradies der Singvögel erreichen.

Kaum waren sie wieder abgesegelt, so wartete ihrer ein seltsames Abenteuer. Sie landeten an einer Insel, die einen grünen, wonnig schönen Wald trug, und die am Ufer keinen schlammigen Rand hatte. Ehe sie das Gestade er­reicht hatten, stand das Schiff schon fest. Sanct Brandanus ließ es mit Tauen an das Land binden. Er selbst blieb die Nacht über au Bord , weil er die Gefahr kannte. Am Morgen trugen die Brüder, nachdem sie die Messe celebrirt hatten, Fleisch und Fische aus dem Fahrzeuge an den Strand und schürten unter ihrem Kochgeschirr ein Feuer an. Kanin begannen aber die Kohlen zn glühen, so wurde der Boden unter ihnen lebendig wie eine flüssige Welle. Der Heilige half den erschrocknen Brüdern flugs in das Schiff, die Insel aber trieb hinaus in die See, und noch bis auf zwei Meilen Entfernung faheu sie ihr Kochfeuer am Rande derselben glimmen. Der Abt aber erklärte seinen Begleitern, Gott habe ihm in der Nacht das Geheimniß der Insel offen­bart: was sie für eine Insel gehalten, sei nur ein ungeheurer Fisch, der stets mit dem Kopfe nach seinem Schwänze hasche, ihn aber nie erreiche, weil er so lang sei. Der Name des Fisches sei Jaseonius.

Als sie nun wieder an der Schafinsel vorbeikamen, erblickten sie dicht dabei, nur durch einen schmalen Wasserhals von ihr getrennt, ein anderes Ei­land reich an Wiesen und Büschen und üppig mit Blnmen bedeckt. Ein Fluß, der sich in die See ergoß, bot bequeme Einfahrt, und als sie ihr Fahrzeug festgemacht, stiegen sie neben einer labenden Quelle ans Land. Ueber der Quelle