Beitrag 
Eine neue Ansicht vom Alter der Erde und des Menschengeschlechts.
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

18

über ist es nicht überflüssig, wenn der Verfasser bemerkt, daß uns das Auf­finden von mancherlei Gerathen derselben wohl einen Schluß auf die Lebens­weise dieser Menschen gestattet, aber durchaus keinen aus die geistige Ent­wickelung derselben. So lange nns in Betreff des sittlichen Charakters und der religiösen Vorstellungen eines Menschenstammes nichts bekannt ist, fehlt uns eines der wesentlichsten Hülfsmittel zur Erkenntniß des innern Lebens des­selben, und so müssen wir alle Aussagen und Annahmen über den Stand der geistigen Entwickelung bei der Urbevölkerung Europas als Vermuthungen und Erfindungen bezeichnen, die in den Thatsachen keinerlei Stütze finden und somit lediglich Produkte der Willkür siud.

Iie Massen im DolKsmunde

Mit Gunst, und nichts für nngut! So sagen wir zu denen, welche unsere Absicht bei dem Folgenden falsch auszulegen geneigt sein und uns be­schuldigen könnten, damit die Einrichtungen irgend eines christlichen Bekennt­nisses oder den Stand der Geistlichen dem Haß und der Verachtung preis­geben zn wolleu. Selbstverständlich liegt uns, wie der Quelle, aus der wir dabei schöpfen, nichts ferner als das. Es ist uns lediglich um ein Kapitel des Volkshumors zu thun, der bekanntlich nichts fchont, wenn sich einer Person oder einer Sache eine lächerliche Seite abgewinnen läßt*) und der sich dabei in Uebertreibungen und Verallgemeinerungen gefällt. Fühlt sich trotz dieser Verwahrung jemand von den nachstehenden Mittheilungen getroffen nnd ver­letzt, so wird die Schuld nicht an uns, sondern an ihm selber liegen, mit an­dern Worten, so wird er eben das sein, was der AusdruckPfaffe" heutzu­tage im Gegensatz zu der BezeichnungGeistlicher" meint, und sein Verdruß soll uns dann nicht bekümmern. Der Fall wird aber wahrscheinlich nicht oft vorkommen, da die Redensarten und Sprichwörter, die wir ansühreu, sast ohne Ausnahme aus alter Zeit stammen, die man, wie von uns wiederholt schon hervorgehoben worden, mit Unrecht diealte gnte" nennt. Wir Deutschen wenigstens sind auch auf diesem Gebiete erheblich besser geworden als die Ge­schlechter vor uns, und zwar in einigen Stücken sogar in den Klöstern, von denen beiläufig mauche, z. B. die der Benediktiner, im Mittelalter auch viel Gutes geschaffen uud gefördert haben.

*) Vergl. die ersten fünf Kapitel der soeben in 2. Auflage (Leipzig, Grunow) erschie­nenen SchriftDeutscher Volkshumor" von Moritz Busch, die wir hiermit noch­mals warm empfehlen.