Beitrag 
Eine Sammlung von Sprachschnitzern.
Seite
356
Einzelbild herunterladen
 

356

Es gibt eine doppelte Art von Znsammensetzungen mit dem Grnndworte weise. Die eine erscheint als Adverbiale, welches, besonders um den Begriff des Adverbs hervorzuheben, gleichsam eine Umschreibuug darbietet, nnd zwar in der Form von Genitiven, wie glücklicherweise, natürlicherweise, gleicherweise. Die zweite Art besteht aus reinen Adverbialformen, die sich aus ihrer Zuscnn- mensetzung nicht herausreißen lassen. Hierher gehören die Bildungen theilweise, stufenweise, stückweise, vorzugsweise, zwangsweise, scharenweise und paarweise. Die Adverbia der ersten Art heißen adjektivische, die der zweiten substantivische Formen, jene lassen sich trennen, diese nicht. Unter allen Umständen sind aber beide Arten nichts weiter als Adverbien, und dennoch hat der Sprachgebrauch die letztere Art auch zu deklinirbareu Adjektiven erhöht. Man liest z. B. die schrittweise Vervollkommung, die zwangsweise Verhaftung, die theilweise Ab­nutzung, das stufenweise Emporklimmen, die ausnahmsweise Stellung, der stückweise Verkauf, eine scharenweise Zusammenkunft nndAehnliches. Schon die Klassiker mit Einschluß Lesfiug/s haben dieser Erhebung des Adverbs zum Ad­jektiv gehuldigt, aber seltener als die Gegenwart. Wie sollen wir uns ihr ge­genüber verhalten? Der Usus hat schon wiederholt über die strengsten Sprach­gesetze gesiegt. Und wenn man erwägt, daß die Vermeidung des Fehlers, der ohne Zweifel weniger aus Nachlässigkeit als aus Liebe zur Kürze entspringt, in den meisten Fällen nur durch eine breitere, schleppende Ausdrucksweise ver­mieden werden kann, so würde man wohl in solchen Fällen nicht Unrecht thun, wenn man einmal den Usus walten ließe.

Wir danken dem Verfasser für sein Buch, wollen es bestens empfohlen haben und hoffen, daß es wenigstens bei denen, die etwas auf saubern Stil halten, Beherzignng fiude. Für die große Masse der Tagesskribenten freilich, die in bekannter Weise leer an Wissen und liederlich im Schreiben in den Tag hineinlumpt, wird es nur Das sein, was nach dem Sprichwort für die Kuh Muskate ist.

Literatur.

Das Sprichwort der neueren Sprachen. Ein vergleichend phraseologischer Beitrag zur deutschen Literatur von v. M. C. Wahl. Erfmt, 1877, Kayser'sche

Buchhandlung.

Die Schwierigkeiten bei der Erlernung einer fremden Sprache bestehen nicht allein in der Nothwendigkeit, sich die Kenntniß ihres grammatischen Ge­bäudes anzueignen, sondern auch darin, daß man sich jene Besonderheiten in