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Endlich noch ein Wort über die Ausstattung der Blümner'schen Ausgabe, die artistische und die typographische. Es sind dem Buche drei Holzschnitttafeln beigegeben, von denen die erste, als Titelbild, die Laokoongruppe, die beiden andern die wichtigsten der in neuerer Zeit aufgefundenen Laokoon- darstellungen zeigen: zwei Contorniatenmünzen, die Miniatur aus dem vati- canischen Virgil, das Wittmer'sche Relief (zuerst 1863 publicirt) und das ganz neuerdings aufgefundene pompejanische Waldgemälde. Diese Abbildungen sind gut und sorgfältig hergestellt, die der Laokoongruppe gehört entschieden unter den vielen, die es giebt, zu den besseren. Eine absolut befriedigende Darstellung der Gruppe in Umrißzeichnung scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Gern würde man aber noch einige weitere Tafeln beigefügt sehen mit den Abbildungen der sonstigen im Laokoon erwähnten Kunstdenkmäler, namentlich derer, die für die Entscheidung irgend einer Frage von Wichtigkeit sind. Die Gosche'sche Ausgabe verfolgt mit ihren Illustrationen eine richtige Idee, so sehr auch die Ausführung derselben zu wünschen übrig läßt. Die typographische Ausstattung von Blümner's Buch ist dem wissenschaftlichen Werthe desselben nicht angemessen. Wer heutzutage- sechs Mark (!) für eine Ausgabe des „Laokoon" zahlt, giebt mit Vergnügen auch noch eine halbe Mark mehr, wenn er dafür das Buch, anstatt auf dem dünnen, grauen Papier der Weidmann'schen Schulausgaben, das nach zehn Jahren wasserfleckig und nach fünfzig Jahren Zunder ist, aus schönem, starkem, weißem Papier geboten bekommt. Will sich denn der deutsche Verlagsbuchhandel fort und fort in diesem Punkte vom Auslande beschämen lassen?
Leipzig. G. Wust mann.
Zustände und Sitten in der MrKei.
IV.
In diesem Abschnitte behandeln wir in der Kürze die Verhältnisse, die sich auf die Familie und den Haushalt des Sultans beziehen. In der Hauptsache folgen wir dabei auszugsweise und mit einigen Ergänzungen verschiedenen Kapiteln des Buches Charles White's „Three Years in Constantinople". Mit wenigen Ausnahmen sind die osmanischen Herrscher in den letzten vier Jahrhunderten Söhne von Sklavinnen gewesen, die nicht gesetzlich mit den