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die ohne alle erbauliche Färbung und selbst mit Disputationen verbunden, die ganze wissenschaftliche Bildung der Zeit umfassen und im Zusammenhang mit den höchsten Problemen wie mit den praktisch-sittlichen Aufgaben behandeln sollen. Daß hiemit eine Studienreform umfassendster Art, ja eine Reform der größtentheils in zusammenhangslose Specialitäten untergegangenen Wissenschaft selbst gefordert werde, verbirgt sich der Verfasser nicht; aber er vertraut, daß dieselbe dann auch nicht ausbleiben werde; — „die Nothwendigkeit diese Jünger zu bilden soll uns die wahren Meister wiedergeben." „Welch ein Triumph für die Kirche, ruft er bei diesem Gedanken begeistert aus, wenn sie, die im Namen der Wissenschaft entthront worden und die Entthronung der Wissenschaft auf dem Fuße folgen sah, nun die Ursach wird, daß die Wissenschaft ihren Thron wiedererlangt! — die Wissenschaft, d. h. die philosophische Wissenschaft im Gegensatz zur PseudoWissenschaft, denn Pseudowissen- schast ist die unkritische Vermischung von Beobachtung und Metaphysik, welche den Charakter der heutigen Naturwissenschaft ausmacht. Die Religion allein kann uns den höheren Verstand zurückgeben und erhalten, weil sie allein den Menschen zu einer Höhe der Bestimmung, zu einer Freiheit und Selbstthätigkett des Wirkens erhebt, die zu begreifen und zu erhalten die niederen Verstandesfunctionen nicht ausreichen." Indem der Verfasser andererseits auf die staatlich-kirchliche Aufgabe des Jugendunterrichts eingeht, redet er goldene Worte wider die eonfessionslose, d. h. religionslose Schule. „Die Religion ist entweder nichts, höchstens ein lichtscheues Mysterium, oder sie ist der Mittelpunkt alles Erkennens und Handelns. Es ist widersinnig, der Jugend Bruchstücke des Wissens zu geben, und sie zu entlassen mit dem Zuruf: Nun sucht euch das Ganze! Wie könnte man wohl anders der Jugend die Vorstellung, den Glauben einer Einheit des Lebens und des Wissens geben, als durch die Religion? Man giebt vielerorten doch noch zu, daß das Ziel des Lebenskampfes die Aufrechterhaltung der moralischen Persönlichkeit ist; nun wohl, — das will man durch die sogenannte freie Schule erreichen? Man will sittliche Charaktere heranziehen, ohne die Gemüther einzuführen in die Heiligthümer der Menschheit und der Nation?" Der Verfasser denkt sich auch die paritätische Schule nur als Ausnahme, die katholische Volksschule als unter staatlichen Forderungen und Bedingungen zugelassene kirchliche Anstalt, die Staatsschule aber geleitet von evangelischen Lehrgeistlichen, Männern akademischer Bildung, die von dieser ersten Staffel ihrer Berufsthätigkeit dann zu höheren aufsteigen könnten. — Einen andern großen Berufszweig soll der Staat der Kirche eröffnen in der „Heilung der Sitten". Die Armenpflege, die Fürsorge für die Sträflinge, die Rettung der Verwahrlosten, die Vermittelung in den socialen Mißständen soll einer anderen Gattung evangelischer Kleriker, einem hiezu entsprechend vorgebildeten Diaeonat übergeben