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Kicharo Türschmann's Kecitation der beiden Hedipus und der Kntigone des Sophokles.
Daß unsere neuere Dichtung gerade in ihren vollendetsten Erscheinungen von dem griechischen Schönheitsideal beherrscht und durchleuchtet ist, daß sich dieses wohlthätigen und bildenden Einflusses der Antike unsere größten Dichter stets klar bewußt gewesen sind, ist jedem Kundigen unverkennbar. Ebenso gewiß ist es aber, daß nicht bloß der schaffende Künstler, sondern auch der ästhetisch Genießende wohl noch auf lange Zeit hin in der altgriechischen Poesie Läuterung seines Geschmacksurtheils finden wird. In dieser Ueberzeugung darf auch die vorübergehende undankbare Gleichgültigkeit, ja unver- holene Abneigung sund streitlustige Feindschaft, die jetzt in manchen Kreisen gegen die Antike überhaupt herrscht, uns nicht irre machen. Freilich, wer die griechische Dichtung wirklich kennt, wer durch das Dornengestrüpp schwieriger Formen, ungewohnter Verbindungen, fremdartiger Anschauungen sich htndurch- gerungen hat in die sonnenlichten Fluren der Homerischen oder Sophokleischen Kunst, der wird von Herzen einstimmen in Lichtenberg's Worte: „Meine Bewunderung der Alten wächst täglich, und ich schätze mich glücklich, daß ich von Grund meines Herzens überzeugt bin, daß sie die Unsterblichkeit verdienen, die sie erhalten haben." Der wird für unsere Gymnasien, in denen der todte Formaltsmus mehr und mehr vor dem begeisterten Erfassen des Kunstideals zurückweicht, keinen dringenderen Wunsch hegen, als daß in den oberen Classen durch vermehrte Stundenzahl des Griechischen dem Lehrer die Möglichkeit geboten werde, eine breitere Anschauung zu geben von dem königlichen Reichthum der griechischen Literatur. Und dem entsprechend wird er für die Realschulen solche Uebersetzungen der großen tragischen und epischen Poesien des griechischen Alterthums herbeisehnen, wie sie Geibel vor Kurzem von griechischen und römischen Lyrikern in seinem vortrefflichen „classischen Liederbuch" gegeben hat. Vielleicht daß dann in späteren Generationen die Einsicht allgemeiner wird, daß der Ausdruck begeisterter Hochhaltung der Antike nicht leere Redensarten sind, von Philologen in Umlauf gesetzt, um einen Nimbus um ihre wissenschaftliche Thätigkeit zu verbreiten, sondern ernste, innige und dankbare Ueberzeugung von Männern, deren Seele durch diese unvergleichlichen Meisterwerke erhoben und geläutert ist. Und von je reicheren Erfolgen das bewunderungswürdige Ringen des Menschengeistes nach Einsicht in den Zusammenhang der Naturerscheinungen gekrönt wird, um so mehr müßte er Verlangen tragen nach der Welt der stillen ewigen Formen, in deren Anschauung der forschende Verstand am schönsten ausruht; und je mehr der Mensch die Naturkräfte seinen praktischen Zwecken dienstbar macht und dadurch die